Auf dem Weg zum Saree Ella Waterfall von Kandy aus

Digitale Nomaden und Sri Lanka? Pros, Cons und Fazit

Ein Visum für sechs Monate hatten wir uns gekauft. Zehn Wochen sind wir letztlich geblieben. Ich denke, das sagt alles über unsere Gesamterfahrung in Sri Lanka aus. In diesem abschließenden Artikel fassen wir unser Eindrücke noch einmal zusammen und gehen auch darauf ein, ob Sri Lanka ein geeignetes Land für digitale Nomaden ist und ob hier auch noch einmal differenziert werden muss. Denn digitaler Nomade ist nicht gleich digitaler Nomade, was uns in dieser Zeit bewusst geworden ist. 

1. Sri Lanka Pros

Was hat uns in Sri Lanka gefallen und würden wir deswegen noch einmal ins Land reisen, um einen genaueren Blick auf die Vorzüge zu werfen?

1. 1. Günstige Lebenshaltungskosten 

Wichtig für viele digitale Nomaden sind günstige Lebenshaltungskosten. Man muss sparen, wo man kann, richtig? Und gerade Asien bietet sich dafür an. Lebensmittel und Essen gehen sind Sri Lanka wirklich günstig und so kann man hier eine Menge Geld sparen. Mehr zu den Kosten im Land erfährst du hier

1. 2. Wunderschöne Natur

Was wir auf jeden Fall bestätigen können, ist die wunderschöne Natur in Sri Lanka. Wir haben ein paar Ausflüge mit dem Roller in entlegene Gebiete gemacht und sind aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen. Gerade im Inland eröffnen sich Weiten, bestehend aus Wald, Bergen oder auch Seen, wie z. B. beim Mini Worlds End. Seltsamer Fakt am Rande: Die meisten Srilankaner schwimmen nicht, weil sie Angst vor Wasser haben. Es ertrinken wohl recht häufig Einwohner und Eltern halten ihre Kinder an, nicht in Seen oder im Meer baden zu gehen. Tatsächlich baden die Srilankaner nicht wirklich und nur wenige gehen überhaupt ins Wasser. Wie wäre es mit Schwimmen lernen? Auch die Gegend in Sigiriya fanden wir sehr schön, waren dort allerdings nur für einen Tagesausflug. Ella ist, was die Natur angeht, ebenfalls sehr zu empfehlen. Elefanten in freier Wildbahn haben wir leider keine gesehen. 

1. 2. 1. Exkurs Teeplantagen

Was wir allerdings nicht zur Natur zählen, sind die unendlich vielen Teeplantagen, für die der Urwald weichen muss. Klar, sie sind auch schön anzusehen und strahlen so eine urige Romantik aus, wenn die Frauen mit ihren Körben auf dem Rücken die Teepflanzen ernten. Doch, wie gesagt, muss hierfür immer mehr Wald weichen. Zudem werden die Pflanzen natürlich auch chemisch behandelt, was der umliegenden Natur und auch den Menschen schadet. In Ländern wie Sri Lanka kümmern sich die Menschen nicht um Arbeitssicherheit und das Gift wird einfach so mit Kanistern versprüht. Vornehmlich geht es wohl darum, die Zwischenräume zwischen den Teepflanzen frei von anderen Pflanzen zu halten. 

1. 3. Historische Tempel und Stätten

Wir sehen uns gern historische Sehenswürdigkeiten an und in Sri Lanka gibt es einige davon. Sehr viel zu sehen gibt es wohl in Anaradhapura, wo wir es nicht hingeschafft haben. Den Lion’s Rock in Sigiriya ließen wir aufgrund der Kosten ausfallen. Dambulla Cave Temple und Tooth Temple in Kandy sind sehr sehenswert. Auch in Nalanda Gedige lohnt sich ein Stop. Es gibt noch viel mehr zu sehen, doch ein Nachteil, den das Leben als digitale Nomaden mit sich bringt ist, dass man eben keinen Urlaub macht. Wir arbeiten ganz normal und haben einen geregelten Tagesablauf. Wenn man dann noch job-bedingt zeitlich nicht immer flexibel ist oder Deadlines bedienen muss, fallen ausgedehnte Entdeckungs-Touren oder Location-Hopping in den besuchten Ländern leider flach. So ist unsere Situation momentan. Wir haben in Sri Lanka viel gesehen, hätten aber natürlich noch mehr Ausflüge gemacht, wenn es möglich gewesen wäre. 

1. 4. Sicheres Reiseland (mit Einschränkungen)

Sri Lanka ist im Grunde ein sicheres Reiseland. Da wir allerdings zu zweit unterwegs sind, reisen wir im Gegensatz zu beispielsweise allein reisenden Frauen in einer Art Filter. Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich mich in Sri Lanka, wäre ich allein unterwegs, nicht alleine außerhalb der Touristenorte bewegen würde. Und auch dort würde ich immer Anschluss suchen. Roller-Trips in entlegene Gegenden, wie wir sie unternommen haben, sind meiner Einschätzung nach nicht ohne. Toxische Männer waren durchweg ein Problem und auch wenn wir zu zweit unterwegs waren, sind wir immer wieder Individuen oder Gruppen von (jungen) Männern begegnet, die mich angestarrt und auch nicht abgelassen haben. In solchen Situationen irgendwo im Nirgendwo fand ich das auch zu zweit nicht besonders angenehm. Wir sind immer wachsam, wenn wir in abgelegenen Gegenden unterwegs sind, nicht zuletzt auch unserem Erlebnis in Kolumbien geschuldet. Eine 100%-Garantie gibt es nirgends, doch in männlicher Begleitung oder einer Gruppe ist Sri Lanka gut zu bereisen.  

1. 5. Überwiegend freundliche Menschen 

Bis auf wenige Ausnahmen waren die Menschen in Sri Lanka freundlich. Viele haben sich ehrlich gefreut, uns als Touristen zu begegnen oder wenn wir etwas von ihnen gekauft haben. Vor allem bei unseren Roller-Ausflügen wurden wir ständig sehr überschwänglich gegrüßt. Kanil hat uns allerdings vor aufgesetzter Freundlichkeit gewarnt. Er sagte uns, dass es in Sri Lanka sehr verbreitet ist, einfach nur pseudo-freundlich zu sein und vermeintliche Hilfe anzubieten, nur, um danach Geld zu verlangen. Das haben wir auch so in Kandy erlebt. Wir standen ab und zu mit unserem Handy in der Hand auf der Straße um zu navigieren. Es dauerte nie lang, bis ein Mann (nur Männer) vorbei kam und fragte, ob er uns helfen könne. Teils auch sehr aufdringlich. Wir haben das immer abgelehnt, da wir ja auch keine Hilfe brauchten. Lasst euch nicht „helfen”, wenn ihr nicht für eine schnöde Richtungsweisung Rupien bezahlen möchtet. Irgendwann wird das auch wirklich nervig und wenn man ablehnt ist es dann auch schnell mit der „Freundlichkeit” vorbei. Eine Reisende, die wir getroffen haben, erzählte uns, dass das in Colombo sehr schlimm war und sie von Männergruppen regelrecht belagert wurde. Das auch noch einmal als Hinweis für allein reisende Frauen. Mitten in der Stadt werden die Männer wohl eher nicht übergriffig, doch in dünner besiedelten Gebieten wäre ich mir da nicht mehr so sicher. 

2. Sri Lanka Cons

Kommen wir zu den Cons, die die Pros leider gewaltig überwiegen. 

2. 1. A&O für digitale Nomaden: Unterkünfte – überteuert und dreckig

Die Lebenshaltungskosten in Sri Lanka mögen günstig sein, doch bei den Unterkünften wird die Preisschraube kräftig angezogen und man darf sich einfach nur fragen mit welcher Rechtfertigung. Stichwort Kosten für digitale Nomaden. Wir haben für unsere Unterkünfte, außer bei Kanil, europäische Preise bezahlt, jedoch bei weitem keinen vergleichbaren Standard bekommen. Nicht einmal das Mindestmaß davon. Und Unterkünfte sind für digitale Nomaden ein äußerst essenzieller Teil der ganzen Operation. Hör dir hierzu auch gern unseren Podcast mit Staatenlos an, in dem auch unsere Interviewerin erzählt, dass das mit den Unterkünften irgendwann zu schwierig wurde. Sie hat sich daher in Dubai niedergelassen.  

2. 2. Auf jeden Fall verhandeln

Teils stehen die Unterkünfte für über 1000€ pro Monat bei Airbnb und wenn man dann sagt, dass man maximal 600€ alles inklusive zahlt, was für ein Drittweltland bereits total irre ist, dann gehen die Hosts mit dem Preis sofort runter. Frei nach dem Motto „versuchen kann man es ja mal”. Selbst 600€ sind für solch ein Land einfach zu viel, wenn nur die Mindeststandards geboten werden. Noch ärgerlicher ist es, wenn man für das Geld von einem schimmeligen Dreckloch ins nächste kommt. Entschuldigung für die harte Ausdrucksweise, doch ich möchte hier gern den passenden Begriff verwenden und nichts beschönen. Bezüglich der Unterkünfte war es in Sri Lanka einfach nur furchtbar und eine Odyssee. 

2. 3. Erwarte am besten nichts

Unterkunft Nummer eins war dreckig und ungepflegt. Daraufhin sind wir nach zwei Tagen in der Hoffnung auf Besserung zu Kanil gezogen und hatten bei ihm und seiner Familie die beste Zeit in Sri Lanka. In Bandarawela hat uns ein schimmeliges, dunkles, dreckiges Loch erwartet und wir sind nach zwei Tagen in das neue Apartment der Gastgeberin umgezogen. Wenigstens war das unkompliziert. In Hikkaduwa mussten wir vier Wochen in einem Dreckloch ausharren. Nur, um dann endgültig frustriert, gestresst und enttäuscht das Land zu verlassen. Und dafür haben wir viel zu viel Geld dort gelassen, ehrlich. Mit sehr sparsamem Budget kann es nur noch schlimmer werden. 

2. 4. Hostels sind auch keine Lösung

Viele digitale Nomaden quartieren sich in Hostels ein. Wir haben uns sagen lassen, dass die Situation in Hostels ebenfalls unter aller Kanone ist. Es fiel die Aussage „Damit muss man sich wohl abfinden.” Warum muss man sich damit abfinden? Wenn man nicht im Schmutz leben mag und einem das nicht egal ist, dann muss man eben das Land verlassen. Diese Aussage rührte tatsächlich daher, dass die betroffene Person dachte, mit ihr würde etwas nicht stimmen, weil sie sich eigentlich sehr unwohl in diesen Unterkünften fühlt, aber andere ja auch nichts sagen. Bitte finde den Fehler in dieser Denkweise! Genau das ist das Problem heutzutage: Zu viele Menschen haben Angst, ihre Meinung zu äußern oder Zustände zu kritisieren, weil der woke Mob sofort zur Stelle ist, um einen in fragwürdige und erlogene Ecken zu stellen. Wir können dir nur raten: Mach dich frei davon, stehe zu deiner Meinung und versuche nicht, es allen Recht zu machen! Das kannst du sowieso nicht, wirst dabei nur zum Fähnchen im Wind und verlierst dich selbst. „Woke” ist Teil der Agenda und das genaue Gegenteil von awaken (erwacht). Mach dich frei und erwache aus der Massenhypnose!

2. 5. Für digitale Nomaden: Internet begrenzt und langsam 

Kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt für digitale Nomaden: Internet. 

Sri Lanka Note 6. Wirklich. Du brauchst schon einen Host wie Kanil, der selbst online arbeitet und Weitsicht mitbringt, um einigermaßen gutes Internet zu bekommen. Es gibt Glasfaser in Sri Lanka, doch Internet ist dort einfach sehr, sehr teuer und kaum einer kann sich schnelles und vor allem unbegrenztes Internet leisten. Unbegrenztes Internet wirst du kaum irgendwo finden, da es einfach viel zu teuer für die Einheimischen ist. Normalerweise sind die Daten pro Monat begrenzt und je mehr Daten du möchtest, desto teurer wird es und ist dann trotzdem nicht besonders schnell. Da musst du schon in Orten wie Colombo oder Kandy bleiben, wenn du hier mehr Sicherheit haben möchtest. Wir haben keine Ahnung, wie andere digitale Nomaden das machen, die auch uns gesagt haben, dass das Internet für die Arbeit  ausreicht. Für uns mit normalen Jobs und Tätigkeiten hat es hinten und vorne (außer bei Kanil) nicht gelangt. Auch nicht das mobile Internet. 

2. 6. Toxische, unangenehme Männer

Schon oft erwähnt habe ich die Männer in Sri Lanka. Sie gehören zu den Faktoren, die unseren Aufenthalt dort besonders unangenehm gemacht haben. Martin war ja nicht betroffen, doch ist ihm das natürlich genauso aufgefallen und hat ihm letztlich die Stimmung verdorben, weil er mit mir mitgefühl hat. Es hat nicht lange gedauert, da habe ich Männer, die mich entweder angestarrt oder im Gespräch oder Restaurant ignoriert haben, ganz direkt konfrontiert. Da geht es dann plötzlich. Oder Martin hat sich vor mich gestellt, um mich vor Blicken zu bewahren. Wie doof ist das bitte? Und sollte das so sein? Nein! Wir fragen uns wirklich, wie das so vielen Reisenden nicht auffallen WILL! Dass viele Männer hierfür nicht sensibilisiert sind, wundert uns (leider) nicht im geringsten. Auch das ist sehr schade! Doch was ist mit den Frauen? In privaten Chats und Kommentarspalten auf Instagram haben wir letztlich Feedback erhalten, das zu unseren Erlebnissen passt. Für andere tatsächlich auch mit der Auswirkung, dass sie Sri Lanka nicht mehr besuchen möchten. Traut euch doch bitte, das Erlebte zu teilen. Es gehört zum Gesamtbild dazu! Uns wurde sogar erzählt, dass eine allein reisende Frau dort in Restaurants permanent ignoriert wurde und nichts zu Essen bestellen konnte. Man(n) wollte sie schlichtweg nicht bedienen. Wenn man sich natürlich nur im Resort aufhält, ein paar geführte und wohl geplante Touren unternimmt und sonst nichts authentisches vom Land mitbekommt, ist es leicht zu sagen „Es war so schön! Mir ist überhaupt nichts von dem, was du hier erzählst, aufgefallen.” 

Auch wurde uns eine Geschichte von einem reisenden Pärchen erzählt, das bei einer Familie zum Essen eingeladen war. Nur der Vater hat mit ihnen am Tisch gesessen und gegessen. Die Töchter waren im Raum anwesend, durften aber nicht am Tisch sitzen und mit essen. Die Mutter haben sie gar nicht zu Gesicht bekommen, da sie nur in der Küche zugange war. Über muslimische Länder regt man sich bezüglich solcher Dinge ständig auf und prangert sie an. Das ist eben schon länger Gang und Gäbe. Doch bzgl. Sri Lanka oder Indien scheint es ein No-Go zu sein, nur darüber zu sprechen. 

2. 6. 1. Exkurs Frauen in Indien 

Falls du dir dessen nicht bewusst bist, informiere dich über die Situation von Frauen in Indien. Hier werden Mädchen sogar oft kurz nach der Geburt oder im Kindesalter getötet, weil man sie nicht möchte und sie nichts wert sind. Das Problem Massenvergewaltigungen ging zumindest auch in Deutschland einmal durch die Medien. Das sind nur zwei Beispiele für die präkere Situation von Frauen in Indien. In Sri Lanka ist es wohl nicht ganz so schlimm, doch genauere Einblicke haben wir nicht bekommen. Für uns ist es deshalb auch ein Rätsel, wie die Fans so einseitig und ungefiltert über Indien schwärmen können. Ein Land, bei dem sich die Geister ja auch extrem scheiden. Aufgrund unserer Erfahrungen in Sri Lanka haben wir Indien von unserer Reiseliste gestrichen und werden irgendwann – wenn – nur eine stark geplante Kulturreise mit entsprechend hohem Budget unternehmen, um die kulturellen Sehenswürdigkeiten zumindest einmal gesehen zu haben. Denn, und das ist klar, davon hat Indien viele. 

2. 6. 2. Exkurs Religion

Laut Aussage eines Srilankaners stehen Frauen auch im Buddhismus unter dem Mann. In der Ehe ist der Mann der Entscheidungsträger und Frau hat Glück, wenn sie an ein moderner eingestelltes Exemplar gerät. Man muss allerdings auch sagen, dass die Frauen, wie in der westlichen Welt auch, selbst für ihre Rechte kämpfen müssen. Dass all das mal wieder unter dem Deckmantel der Religion geschieht (Hexenverbrennung und Vernichtung der weisen Medizinfrauen), sollte zu Denken geben. Zudem werden sowohl Hinduismus als auch Buddhismus und Christentum schlichtweg falsch ausgelegt. Und das ist auch genau so gewollt, denn Religion bedeutet nichts anderes, als Kontrolle über die Menschen ausüben zu wollen. Religion hypnotisiert genauso, wie Medien und Politik. In Ländern wie Sri Lanka, die alles Leben der Religion unterordnen, wird das leider sehr deutlich. Wie genau es sich diesbezüglich mit dem Islam verhält, kann ich nicht sagen. Doch ich wette, es geht in dieselbe Richtung. 

2. 7. Smogverpestete Luft

Auch darauf waren wir nicht vorbereitet: Smogverpestete Luft, egal, wo man hingeht. Ob nun in Kandy oder im kleinen Dorf entlang der Straße – überall dort, wo auch nur ein Vehikel unterwegs ist, steht die Luft vor Smog und stinkt. Die meisten Fahrzeuge geben schwarze Rußwolken aus ihren Auspuffen ab, so dass man am liebsten nur noch die Luft anhalten möchte, um sich seine Gesundheit nicht vollends zu verderben. Auch hier fragen wir uns, wie das so vielen Reisenden scheinbar egal sein kann. Oder sie es nicht sehen (wollen). Wir haben mit Kanil auch darüber gesprochen und es gibt wohl offizielle Abgasvorschriften in Sri Lanka. Doch die dürften sehr lasch sein. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Srilankaner lieber beim Abgastest betrügen, als einmal ihr Gefährt aufzurüsten. Kanil meinte, das sei nicht wirklich teuer, doch es wäre eben die srilankische Mentalität, lieber den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und sich durchzumogeln. Es kann sehr erhellend sein, von einem Einheimischen, der die Dinge sehr genau und kritisch betrachtet, solche Insights zu bekommen. Denn allein aufgrund von Beobachtungen wäre man sonst wieder nur der böse, arrogante Westler, der sich doch hier gar kein Urteil erlauben darf und auf dessen Konsumwahn alles Elend dieser Welt beruht. 

Sorry not to be sorry! Denn auch hier gilt es, die Dinge differenzierter zu betrachten. Man kann ein Land, seine Einwohner und seine Regierung nicht völlig aus der Verantwortung für den eigenen Zustand ziehen. Dass Thema ist zu komplex, als dass ich hier genauer darauf eingehen möchte, doch wenn man sich einmal mit den Menschen in solchen Ländern auseinandersetzt und ebendiese kritischen Betrachtungen aus dem Inneren erfährt, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

2. 8. Stressiger, aggressiver Verkehr

Ja, so haben wir den Verkehr in Sri Lanka empfunden. Die Verkehrsteilnehmer sind äußerst ungeduldig, stressen ohne Ende, hupen wegen nichts und sind aggressiv. Vor allem die Busfahrer. Fußgänger haben grundsätzlich das Nachsehen und es gibt in kleineren Orten auch gar keine Fußwege. Man muss teils schon aufpassen, nicht überfahren zu werden. Zum Vergleich: Wir sind gerade in Vietnam und waren davor in Kuala Lumpur. In dieser Metropole ist so viel Verkehr, aber alles entspannt. kein Gehupe. In Vietnam ist super viel Verkehr und die Fahrer stressen ein bisschen rum und hupen viel, doch es ist eine ganz andere Atmosphäre als in Sri Lanka. Einfach trotzdem freundlicher und lebensbejahender. 

2. 9. Unansehnliche Städte und Dörfer – Schmutz und Schimmel überall

Das Bild, das sich uns in Siedlungsgebieten, egal welcher Größe, geboten hat, war stets nur trist und unansehnlich. Es war einfach gar nichts nett gemacht oder mal ein bisschen gepflegt und schön. Die Häuser sind verkommen und verschimmelt. Außer die Tempel natürlich. In Kombination mit der allgemein schweren Energie des Landes und der Menschen keine gute Kombination. Wie bereits des öfteren erwähnt, trifft einen das als Tourist auch in den Unterkünften. Die Mehrzahl der Menschen dort hat ganz offensichtlich keinen Sinn für das Mindestmaß an Sauberkeit. 

2. 10. Vermüllte Strände und vermeintliche Privilegiertheit

In diesem Beitrag findest du mehr Infos und Bilder zu den Stränden, die wir in Sri Lanka vorgefunden haben. Wir sind ein gutes Stück der Südküste abgefahren und es bot sich uns das immer gleiche Bild: Müll, Müll, Müll an den – auch angepriesenen Touristen-Magneten – Stränden und natürlich nicht nur dort. 

Ich will versuchen, das wirklich kurz zu fassen: Vermüllung des Planeten und die vermeintliche Privilegiertheit von Menschen des Westens? Seine Umgebung zu vermüllen hat weder etwas mit Bildungsstand, noch mit Armut noch mit der viel gepriesenen westlichen Arroganz und Konsumgesellschaft zu tun. Es hat auch nichts mit „Privilegiertheit” zu tun. Seine Umgebung nich zu vermüllen und die Natur sauber zu halten hat etwas mit gesundem Menschenverstand, einem Minimum an Bewusstheit und Rücksichtnahme auf die Natur und seine Mitmenschen zu tun. Ich hatte bereits erwähnt, dass es in Sri Lanka staatliche Müllentsorgung gibt. Nicht besonders fortgeschritten in der Endlagerung, doch der Müll wird abgeholt. Und wenn kein Mülleimer vor Ort ist, was dort leider so gut wie nirgends der Fall ist, dann nimmt man seinen Müll mit. Das ist nicht schwer, das kann jeder. Der vom Meer angespülte Müll setzte sich ebenfalls aus Produkten zusammen, die dort genutzt werden.

2. 10. 1. Nicht nur digitale Nomaden: Sind wir etwa alle privilegierter Adel?

Privilegiert sein bedeutet laut Duden „mit Vorrechten ausgestattet”, so wie Adel z. B. Sind wir oder die meisten anderen „Westler” etwa mit Vorrechten ausgestattete Adelige? Wohl kaum. Wer mit dem goldenen Löffel im Mund aufwächst und nichts für seinen Lebensstandard tun muss, der ist privilegiert. Solche Kinder von reichen Eltern gibt es übrigens auch in Sri Lanka oder Afrika. Doch der Normalbürger, auch im Westen, muss arbeiten um etwas zu erreichen.

Man kann es, wenn überhaupt, Glück nennen, in einem Land, dem es wirtschaftlich gut geht, geboren worden zu sein. Doch das muss noch lange nicht bedeuten, dass es einem selbst dann auch wirtschaftlich gut geht. Siehe Deutschland. Und dann sind da auch noch Eigenverantwortung, Ehrgeiz und persönliche Voraussetzungen als Faktoren. Das einmal als Gedankenanstoß. 

2. 11. Schwere, bedrückende Atmosphäre im ganzen Land 

Schon bei der Ankunft haben wir die schwere und belastende Atmosphäre gespürt, die über dem ganzen Land liegt. Menschen, die für solch energetische Themen nicht empfänglich sind, werden davon nichts mitbekommen, doch für uns war es einfach nur unerträglich. Wenn Menschen wie wir die Energie in Deutschland mittlerweile schon nicht mehr erträglich finden, dann sollten selbige auf keinen Fall nach Sri Lanka reisen, denn dort ist es einfach um ein vielfaches schlimmer. Wir haben nirgends befreiende Leichtigkeit gespürt. Vor allem in Hikkaduwa fiel uns auf, dass die Touristen weder entspannt noch happy aussahen. Wir haben gerade den Vergleich zu Hoi An, Vietnam und hier strahlen alle wie Honigkuchenpferde.

Es ist eine Energie der Stagnation, der Schwere, der Bedrücktheit aber auch der selbst gewählten Opferposition. Jetzt wird sich der ein oder andere Leser sicher wieder brüskieren, doch ein Teil der Wahrheit ist auch, dass diese Länder für sich selbst verantwortlich sind und es nicht nur die Schuld des bösen Westens ist, wenn im Land einfach nichts voran geht. Die Regierung in Sri Lanka ist hochgradig korrupt und das hat schon einmal nichts mit dem Westen zu tun. Viele Menschen dort wirken antriebs- und innovationslos und in der Opferhaltung. Religion gibt ihren Teil dazu. Wie Kanil unter anderem sehr treffend statuiert hat, ist die Regierung im Land immer auch ein Spiegel des Volkes und somit ist das Volk mit verantwortlich für die jeweiligen Situationen. Wir finden diese Aussage äußerst klug und wahr. Du regst dich auf, was die Regierung in Deutschland so alles veranstaltet und dass es nur noch bergab geht? Pass auf, sie wurde gewählt. Wenn auch vielleicht nicht von dir, dann von der Mehrheit der Deutschen. Bitte miss hier nicht mit zweierlei Maß. Er hat ebenfalls bemängelt, dass die Srilankaner in der Regel nur das nötigste Minimum machen und geben und einfach keinen Antrieb für mehr haben. Und das merkt man einfach.

Auch wissen wir von Kanils Vater, dass die britische Teefirma, für die er bis vor ein paar Monaten gearbeitet hat, sehr gute Arbeitsbedingungen geboten und er sich dort sehr wohl gefühlt hat. Leider haben sie kürzlich an srilankische Unternehmer verkauft und schon geht es bergab mit den Arbeitsbedingungen und er hat überlegt, zu kündigen. Wir sind gerade nicht auf dem aktuellen Stand, was das angeht, doch Kanils Vater ist bereits Ende 50 und einen neuen, gleichwertigen Job, zu finden, dürfte auch in Sri Lanka nicht so einfach sein. Kurzum: Nicht jedes westliche Unternehmen, das in fernen Ländern wirtschaftet, beutet aus und ist schlecht. Im Gegenteil wird die Wirtschaft auch angekurbelt und es wird Geld ins Land gespült. Dass das auch anders geht, ist klar, doch unsere Botschaft ist: Es ist nicht alles nur schwarz-weiß und unsere Reisen, auch in Drittweltländer, haben uns gelehrt, dass es eben nicht (immer nur) der ach so „böse” Westen ist. Unterhalte dich auch einmal mit ehrlichen Auswanderern in beispielsweise Paraguay und du wirst feststellen, dass authentische und eben ehrliche Einblicke in den Zustand eines Landes erhellender sind, als das, was dir eingepflanzt wird, damit du dich als Mensch aus dem Westen schlecht und schuldig fühlst. 

3. Fazit Sri Lanka

Also, da müsste sich schon einiges im Land ändern, dass wir dort noch einmal hinreisen würden. Ich denke, dieses Fazit war zu vermuten. Von allen Ländern, die wir seit 2012 gemeinsam bereist haben, hat uns Sri Lanka mit Abstand am wenigsten gefallen. Durch all diese Erfahrungen ist Indien für uns auch absolut uninteressant geworden. Dieser Artikel gibt dir hoffentlich eine Entscheidungshilfe, wenn du dich durch die ganzen Sri Lanka-Infos klickst und nur die üblichen Schwärmereien ließt. Wenn du so oder ähnlich wie wir „tickst” wird es dir dort wahrscheinlich nicht gefallen. Auch muss unterschieden werden, ob man als digitale Nomaden / Perpetual Traveller oder normaler Urlauber / Reisender unterwegs ist, da das einfach einen enormen Unterschied macht. Wir erleben es immer wieder, dass Menschen – unter anderem – hierfür gar keinen Sinn haben. Leider. Denn die Konsequenz davon sind ungefragte und sog. „Meinungsäußerungen” auf der beleidigenden persönlichen Ebene.

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