Sri Lanka Wirtschaftskrise

Im Gespräch mit den Einheimischen: Wie ist die Lage in Sri Lanka wirklich? Kosten und Wirtschaftskrise 

Uns ist es immer wichtig, authentische Insights zu bekommen und hier war das gut möglich, da die Sprachbarriere glücklicherweise nicht so hoch ist. Viele Menschen sprechen gut Englisch und freuen sich auch, wenn sie mit Touristen reden können. Verschiedene Menschen haben uns Verschiedenes zur Wirtschaftskrise und Situation im Land erzählt, das wir dir natürlich nicht vorenthalten möchten. 

1. Wirtschaftskrise und Währungseinbruch 2022

Sri Lanka hat 2022 eine schlimme Wirtschaftskrise durchgemacht, die nicht zuletzt durch die global fehlgeleitete (aber natürlich so gewollte) Corona-Politik ausgelöst wurde. 

1. 1. Ein Putsch ohne Folgen

Der damalige Präsident ist aufgrund anhaltender Proteste abgetreten und erstmal auf die Malediven geflüchtet. Sein Nachfolger ist allerdings der ehemalige Premierminister (wenn ich mich jetzt nicht täusche – zumindest jemand aus der Regierungs-Clique) und so hat sich an der Situation im Land nichts geändert. Zwischenzeitlich ist der ehemalige Präsident auch wieder im Land und hat natürlich nichts zu befürchten. In Relation zur Einwohnerzahl hat Sri Lanka, genauso wie Deutschland auch, ein mit 225 Abgeordneten aufgeblasenes Parlament. Auch darüber beklagen sich die Einheimischen, da das natürlich Steuergelder ohne Ende (Diäten, Korruption) verschluckt. Siehe Deutschland. 

1. 2. Die Wirtschaftskrise wirkt nach

Die Wirtschatfskrise steckt dem Land noch in den Knochen, da sich seither für die Menschen vieles zum Schlechteren gewendet hat. Vor allem die Teuerungsrate macht den Einheimischen zu schaffen. Innerhalb weniger Wochen hat die Sri Lanka Rupie 50% an Wert verloren. Im März 2022 lag der Wert der SKR gegen den Euro bei etwa 221, bis Anfang Juni ist er auf 387 hochgeschossen. Im Januar 2023 lag er bei 395. Momentan schwankt er zwischen 310 – 345 Rupien pro Euro. Die Lebenshaltungskosten sowie Preise für Konsumgüter und Lebensmittel sind natürlich extrem gestiegen. 

1. 3. Die Preise haben sich teils verdoppelt

Unser erster Gesprächspartner war der Inhaber eines kleinen Ladens nahe unserer ersten Unterkunft in Ja-Ela. Bei ihm haben wir Wasser und leckere, traditionelle Süßigkeiten gekauft und die Chance ergriffen, ein paar Informationen zu erhalten. 

Seit der Wirtschatfskrise ist der Benzinpreis von etwa 200 Rupien pro Liter auf 400 Rupien zu Höchstzeiten gestiegen. Während unseres Aufenthalts lag der Preis bei um die 330 Rupien (ca. 1€). Mit dem Benzin steigen natürlich auch die Kosten für alle anderen Waren und so haben sich die Lebensmittelpreise verdoppelt oder mehr als verdoppelt. 

5 Liter Wasser kosteten vor der Wirtschaftskrise 180 Rupien, seither 400 Rupien (ca. 1,15€). Zum Vergleich: In Spanien kosten 8 Liter Wasser 0,89€. Allerdings bekommt man in Sri Lanka auch 19 Liter-Gallonen, die 400 – 450 Rupien kosten, was natürlich sehr viel ökonomischer ist. Wieviel diese beispielsweise in Spanien kosten, wissen wir nicht, da wir keine gesehen haben. Es gibt sie aber bestimmt. Die Sache mit dem Wasser ist einfach besonders schlimm, da Wasser ein Grundnahrungsmittel und Menschenrecht und Sri Lanka ein wasserreiches Land ist. 

Tipp

Großes ABER aber beim trinkbaren Wasser. In diesem Artikel erfährst du alles, worüber du dir bewusst sein solltest. 

1. 4. Normale Autos wurden nach der Wirtschaftskrise zum Luxusgut

Der Taxifahrer, der uns von Ja-Ela zum Bahnhof gefahren hat, plauderte ebenfalls aus dem Nähkästchen und gab uns ein paar interessante Einblicke in den Automobilmarkt.  

Die Steuern für Autos haben sich seit 2020 derart erhöht, dass ein normaler Toyota Prius wie ein Benz oder Audi gehandelt wird. Er hatte sich selbigen noch vor 2020 für 25.000$ gekauft. Der Wert hat sich bis heute nicht gemindert, da die Steuern für die Einfuhr von Autos sich so drastisch erhöht haben. Autos sind quasi überall günstiger als in Sri Lanka. Seit der Wirtschaftskrise 2022 ist es sogar verboten, Fahrzeuge aus dem Ausland zu importieren. Natürlich nur für die Normalbürger. Was die Regierungs-Clique sich gönnen möchte, das gönnt sie sich. 

Scheinbar erhöht die Regierung auch sonst die Steuern immer wieder und macht das Überleben für die Menschen im Land damit zu einer Zerreißprobe. Das ist in Europa mittlerweile auch nichts anderes mehr, doch hier trifft es die Menschen aufgrund des ohnehin niedrigen Lebensstandards noch härter. 

Er versucht daher, so oft es geht, im Ausland zu arbeiten und hat in Sri Lanka einen Arbeitgeber aus Georgien, der ihn normal gut bezahlt. Zuletzt arbeitete er beispielsweise in Südkorea und kaufte sich von dem Geld ein Haus in Kandy. Auch das Auto hat er so finanziert.

1. 5. Die Kosten steigen, die Gehälter natürlich nicht

Er hat uns auch erzählt, dass seine Frau staatliche Lehrerin ist und 250$ pro Monat verdient. Wie man mit diesem Gehalt, das sicher zu den besseren gehört, hier sein Leben bestreiten soll, ist uns ein Rätsel. Ein normaler Wocheneinkauf für zwei Personen mit Öl, Fleisch, Eiern, Gemüse, Beilagen, Sojaprodukten und was man eben so zum Leben braucht, kann 30 – 50€ kosten. Je nachdem, was man aufstocken muss oder wie oft man Fleisch oder Eier kauft. Grundsätzlich sind unsere reinen Einkaufskosten hier gering und liegen bei etwa 200€ pro Monat. Doch was macht die Lehrerin, die 250$ im Monat verdient und davon Miete zahlen und wahrscheinlich auch noch Kinder ernähren muss? Ja, der Verdienst des Mannes kommt hinzu, doch ich denke, der Punkt ist klar. Die Preise haben sich seit der Wirtschaftskrise verdoppelt bis vervierfacht, doch die Gehälter sind gleich geblieben. In Deutschland ebenfalls nichts anderes.

1. 5. 1. Beispiele für Kosten von Lebensmitteln

Um dir einen besseren Einblick zu geben, hier die Kosten einiger Lebensmittel. Wenn wir die Info haben, inklusive Preis vor der Wirtschaftskrise.

  • 5 Liter Wasser: 400 Rupien / 180 Rupien
  • 1 Ei: 55 – 60 Rupien / 15 – 20 Rupien
  • 100 Gramm Hühnchenbrust mit Brustplatte: 200 Rupien
  • 100 Gramm Hühnchenbrust ohne Knochen: 260 Rupien 
  • 1 kg roher roter Reis: 130 – 170 Rupien
  • 1 kg roher weißer Reis: 130 – 170 Rupien 
  • 1 kg kleine Mangos: 350 Rupien am Obststand 
  • 1 großer Bund kleine Bananen: 250 – 500 Rupien (kommt natürlich aufs Gewicht an)
  • (Obst- und Gemüsepreise schwanken je nach Händler, Standort und Saison)
  • 375 ml Kokosöl nativ, bio: 790 Rupien oder 1200 Rupien (Cargills) / bitte nur natives Kokosöl und wenn es geht, bio, kaufen / die Einheimischen werden das billige, ungesunde Öl verwenden. Tu das nicht
  • 1 l Kokosmilch ohne Zusätze: 450 / 480 Rupien 
  • 1 l Milch: 490 / 500 Rupien
  • 500 g Büffelquark: 500 Rupien 

Käse ist hierzulande selbst für uns unbezahlbar. Selbst 200 g Panneer, was der traditionelle indische Käse ist, kosten 600 Rupien. Die passierten Tomaten kommen aus Colombo und sind trotzdem unmenschlich teuer. Tampons sind super teuer, was für die Frauen hier absolut unfair ist und da muss ich gleich wieder an die patriarchalische Gesellschaftsform, die hier vorherrscht denken. Mehr dazu in unserem abschließenden Artikel. 1 l Olivenöl haben wir für bis zu 25€ gefunden. Kurzum: Solche westlichen, importierten Güter sind ganz allgemein äußerst kostspielig. 

Die abgepackten Lebensmittel haben staatlich festgelegte Preise, die auf die Verpackungen gedruckt sind. Auch die Preise für Ost und Gemüse variieren von Supermarkt zu Verkaufsständen nicht allzu sehr. Sri Lanka ist eine sog. „Sozialistisch-demokratische Republik”. Also quasi die DDR und alles ist reguliert und vorgegeben. 

1. 5. 2. Essen im Restaurant mit Kostenbeispielen 

Hier variieren die Preise sehr, je nachdem, ob du in einen sehr touristischen bis überhaupt nicht touristischen Laden gehst. An der Küste gibt es tendenziell die höchsten Preise. Auch in Kandy City, wo sich Touristen herumtreiben, haben wir nicht solch hohe Preise für Gerichte im Restaurant bezahlt. 

Das günstigste Essen hatten wir auf einer unserer Roller-Touren, wo wir in einem Laden gelandet sind, in dem sicher noch nie zuvor und auch nach uns jemals ein Tourist gesehen wurde. Wenn wir nicht solchen Hunger gehabt und es nicht derart an Möglichkeiten gemangelt hätte, wären wir dort nicht reingegangen. Der Laden war dreckig (das sind sie leider alle, doch dieser hier war extrem) und voller Fliegen. Geheimnis gegen Lebensmittelvergiftung: Nimm das, was vor deinen Augen in der Pfanne frisch und heiß gebraten wird, und das war Kottu, ein traditionelles Gericht. Es hat sich gelohnt, denn es war nicht nur günstig, sondern auch super lecker und eine große Portion mit Nachschub an Chilli und Soße, so viel wir wollten. Kostenpunkt: 400 Rupien p. P. / ca. 1,20€. 

1. 5. 2. 1. Hier ein paar Beispiele
  • Traditionelles Curry mit Huhn: 450 – 1200 Rupien p. P. 
  • Kottu: 400 – 1200 Rupien p. P. 
  • Rotti: 200 – 650 Rupien pro Stück
  • Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen (gibt es oft an der Straße zu kaufen): 50 – 120 Rupien pro Stück
  • Gericht mit Rindfleisch (selten): 2800 Rupien aufwärts p. P. 
  • Garnelen-Curry an der Küste: 1200 Rupien aufwärts p. P.
  • Seafood allgemein: 1200 Rupien aufwärts p. P.
  • Pizza: 1600 – 4000 Rupien p. P.
  • Pasta: 2200 – 4000 Rupien p. P.
  • Burger: 2200 – 4000 Rupien p. P.

2. Ausflug hygienische Zustände

Auch in den touristischeren Restaurants lassen diese zu wünschen übrig. Wenn du ein Problem damit hast, darfst du hier nirgends essen oder gar einen Blick in die Küchen werfen. Wir haben auch noch keine wirklich saubere und instand gehaltene Toilette gesehen. Selbst am Flughafen sind selbige ein Graus. Dennoch hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Lebensmittelvergiftung. Nur einmal, an der Fort Railway Station, hatte ich nach ein paar Happen Essen von einem „Restaurant” dort ein paar Tage mit meinem Magen zu tun. Ich wollte dort gar nicht essen, weil das Etablissement wirklich unter aller Kanone war, doch wir waren voll beladen und im Stress.

Das Essen wurde nicht frisch zubereitet, sondern man bekam es warm gehalten eingepackt und auch noch mit Fisch. Bereits wenige kleine Bissen haben den angegammelten Geschmack verraten, also haben wir alles liegen lassen. Diesen Geschmack von „leicht drüber” hatten wir allerdings des öfteren bei den Teigtaschen, die man in den kleinen Shops kaufen kann, da diese nur auf Warmhalteplatten und dann in dieser feuchten Hitze hier liegen. Es gab aber nie wieder Probleme. Doch ganz ehrlich: Nach ein paar Wochen hat man auch von diesen Zuständen einfach genug gesehen und braucht mal wieder höhere Standards. Für den Körper, für den Geist und für die Seele. Es ist ab einem gewissen Punkt einfach nur noch anstrengend und belastend und einer der vielen Gründe, warum wir Sri Lanka vorzeitig verlassen haben. 

3. Wie ist die Situation an der Küste?

Nach sechs Wochen im Inland haben wir uns sehr auf die Küste gefreut und dachten, das es uns dort gut gefallen und auch gut tun würde. Leider war das ein weiterer Trugschluss. Mangels passender Unterkünfte blieb lediglich Hikkaduwa als Anlaufpunkt übrig, das eine der „Touristen-Hochburgen” des Landes ist. Davon kann seit der Wirtschaftskrise jedoch gar keine Rede mehr sein und zudem waren wir außerhalb der Saison im Land. Es war nicht viel los, was uns normalerweise gut gefällt, doch hier hat das leider die vorherrschend triste Stimmung nur weiter untermalt. 

3. 1. Triste Stimmung und wenige Touristen

Nachdem wir den Vibe und die Energie im Land schon die ganze Zeit sehr bedrückend und schwer fanden, hat es uns in Hikkaduwa noch einmal hart getroffen. Auch die Einheimischen waren nicht so freundlich wie im Land, eher abweisend und oft mies drauf. Wirklich. Wenige Ladenbesitzer schenken dir mal ein Lächeln und wenn du nichts kaufst, schon gar nicht. Wir haben am ersten Abend zum Glück ein Restaurant am Strand gefunden, das unser Anlaufpunkt werden sollte. Weil der Inhaber völlig deprimiert aussah, habe ich ihn angesprochen und er war eben auch einfach deprimiert. Die Geschäfte laufen weiterhin schleppend, da der Tourismus nur langsam wieder anläuft, was klar ist. Die Misere geht ja schon seit 2020 so und das nicht nur für die Menschen in Sri Lanka. Die Einheimischen haben sogar Angst, dass das Militär gegen sie vorgeht. Er konnte das nicht so genau erklären, da sein Englisch nicht so gut ist. Es geht wohl darum, sollte es neue Aufstände geben. Letztes Jahr sind bereits Menschen umgekommen. Militär und Polizei halten hier zur Regierung und nicht zu den Menschen. Kennt man ebenfalls aus Deutschland.  

Da wir Sri Lanka nach dem Monat Hikkaduwa verlassen haben, konnten wir uns nicht weiter informieren, wie es in anderen Küstenorten ist. Doch nach allem, was wir gesehen und erlebt haben, gehen wir nicht davon aus, dass es irgendwo anders ist. 

Tiefere Einblicke in das Leben in Sri Lanka bekommst du im Interview mit Kanil, unserem Host in Kandy. 

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