Unser zweiter längerer Aufenthalt in Hoi An neigt sich dem Ende entgegen und diesmal hat sich uns die kleine, historische Stadt in Zentralvietnam von einer neuen Seite gezeigt, die wir nicht besonders mochten. Das ist zwar schade, doch andererseits auch wichtig, weil es das Bild dann doch irgendwie komplettiert. Zumal sich seit unserer Abreise Ende 2024 so einiges geändert hat, was ich im Artikel „Hoi An 2026″ zusammengefasst habe. Hoi An ist nicht mehr das, was es mal war und wir sehen seiner Entwicklung sehr kritisch entgegen. Wobei wir ja schon späte Erstbesucher waren. Ich habe in den letzten vier Monaten oft gesagt, dass Hoi An das neue Bali wird, weil sich das bereits abzeichnet. Über die Faktoren, die ich in diesem kritischen Reisebericht zum Overtourism in Hoi An behandle, wirst du woanders nichts lesen, denn alle sind ja immer nur auf Friede, Freude, Eitelkeit gepolt und zu feige, auch die negativen Aspekte eines Landes zu erwähnen. Ich habe mich da noch nie gescheut, also here we go: Das verrät dir niemand über Hoi An.
- 1. Luftverschmutzung durch Verbrennen und 2 burning seasons
- 2. Hoi An ist voll geworden: Zunehmender Verkehr seit 2025 – ein Symptom des Hoi An Overtourism-Problems
- 3. Große Bauprojekte am Strand: Cua Dai und An Bang sollen verbunden werden
- 4. Massentourismus am Strand: Motorboote, Jetskis, Banana Boat auf Kosten der Luftqualität
- 5. Hoi An als nächstes Overtourism-Opfer? Das Müllproblem im Detail
- 6. Hoi An Overtourism: Das verrät dir niemand – Abschließende Worte
1. Luftverschmutzung durch Verbrennen und 2 burning seasons
Es kommt immer ganz darauf an, wo in Hoi An (oder auch sonst in Vietnam) man wohnt, denn es wird nicht überall gleichermaßen viel Müll und Gartenabfall verbrannt. Vor zwei Jahren haben wir in Cam Thanh gewohnt und diesmal auch, nur in einem anderen Eck weiter hinten und mehr im Grünen. Was ja eigentlich schön ist, doch der Nachteil ist, dass in dieser Gegend unheimlich viel verbrannt wird. Jeden Tag, mehrmals täglich, sieben Tage die Woche und auch nachts. Anfangs hatten wir nachts noch das Fenster offen, doch das haben wir ziemlich schnell aufgegeben, denn wir wurden teils von Plastikgestank geweckt. In Hoi An wird zudem extrem viel gebaut und gerade die Baustellen häufen zu gern den angefallenen Müll auf – der natürlich auch aus viel Styropor und großen, dicken Plastiksäcken besteht – um dann alles zu verbrennen. Dazu kommen Gartenabfälle und die kleinen Metalltonnen, in denen Opfergaben verbannt werden, die leider auch nur aus irgendwelchem umweltschädlichen Plastikflitter bestehen, der dann noch zusätzlich in der Gegend herumfliegt und nicht aufgeräumt wird. Das Müllbewusstsein ist hier allgemein leider nicht besonders ausgeprägt. Wenn du möglichst wenig mit dem Verbrennen zu tun haben möchtest, zieh besser nach An Bang, doch dort sind die Mieten auch entsprechend höher, es ist schnell ausgebucht und wenn du ein Haus suchst, wird es schwierig, da das Angebot recht begrenzt ist. In der Stadt hast du dann wieder mit mehr Smog- und Feinstaubbelastung durch den vielen und zunehmenden Verkehr zu tun. Auf der Karte habe ich die Region markiert, in der wir gewohnt haben und die du unter anderem meiden solltest.

1. 2. Reisernte in Hoi An: Zwei burning seasons pro Jahr
Zum privaten Verbrennen, das übrigens illegal ist, aber wo kein Kläger, da kein Richter, kommen zwei Reiserntezyklen in Hoi An und damit auch zwei burning seasons. Die erste geht ca. von März – April, die zweite von Ende September – Oktober. Hier wird das Reisstroh abgebrannt, was die Luft zusätzlich ganz erheblich mehr verschmutzt und für Dunst sorgt, der die ganze Region einhüllt. Randnotiz: Malaysia regelt das mit Kompostieren! Es geht also auch fortschrittlicher. Gerade Menschen mit Asthma oder anderen Lungenerkrankungen, sollten all das unbedingt meiden, doch auch gesunde merken das nach einer Zeit. Wie immer geht es um Bewusstsein. Wenn du natürlich kein Gefühl dafür hast, was schlechte Luft ist, was sie bedeutet und wie sie riecht, wirst du rein theoretisch gut klarkommen. Ganz praktisch wird es deinem Körper aber genauso schaden, wie den Menschen, die darauf achten.
Falls du nicht weißt, welche Schadstoffe durch das Verbrennen von Müll, Gartenabfällen und Abgasen in die Luft gepustet werden und welche Krankheiten sie fördern, hier eine Auflistung:
- Feinstaub (PM₂.₅ / PM₁₀): Reizung der Atemwege, Husten, Atemnot, Asthmaanfälle, Allergien, chronische Bronchitis, COPD, Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Diabetesrisiko erhöht, vorzeitige Sterblichkeit
- Dioxine & Furane (v. a. aus Müll, Plastik, beschichtetem Holz): Krebs (z. B. verschiedene solide Tumoren), Störungen des Hormonsystems, Schilddrüsen‑ und Stoffwechselprobleme, Immunschwäche, erhöhte Infektanfälligkeit, Fruchtbarkeitsstörungen, Fehlbildungen, Entwicklungsstörungen bei Kindern
- Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, z. B. Benzo(a)pyren): Lungenkrebs, Hautkrebs, andere Krebsarten, Chronische Bronchitis, COPD, Asthma‑Verschlechterung, Schädigung von Erbmaterial (genotoxische Effekte)
- Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Arsen, Cadmium usw.): Nerven‑ und Gehirnschäden, Lern‑ und Entwicklungsstörungen bei Kindern, Nierenschäden, Leberschäden, Bluthochdruck, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Krebs im Magen‑Darm‑Bereich, Mund‑ und Rachenraum
- Stickoxide (NOₓ) aus Abgasen und Feuer: Reizung von Augen, Nase, Rachen, Husten, Asthma, Bronchitis, Atemwegsinfektionen, Verschlimmerung von Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Erhöhung des Blutdruck
- Schwefeldioxid (SO₂) und andere saure Gase: Akute Atemnot, Bronchospasmus (v. a. bei Asthma), Chronische Bronchitis, COPD‑Verschlechterung, Augen‑ und Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen
- Kohlenmonoxid (CO) aus unvollständiger Verbrennung: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt bei Vorschäden, Bewusstlosigkeit, Tod durch Vergiftung bei hohen Konzentrationen
- Flüchtige organische Verbindungen (VOCs, z. B. Formaldehyd, Lösungsmittel): Augen‑, Nasen‑, Rachenreizungen, Husten, Kopfschmerzen, Asthmaanfälle, Verschlechterung von Allergien, Krebsrisiko (z. B. Formaldehyd, einige Lösungsmittel)
- Ruß / Schwarzkohle aus Dieselabgasen und offenen Feuern: Feinstaub‑assoziierte Atemwegs‑ und Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Verschlimmerung von Asthma, COPD, Atemwegsinfektionen, Erhöhte Sterblichkeit bei chronischer Belastung
- Rauch‑Mix aus Gartenabfällen, Laubfeuern und Haushaltsmüll: Akute Beschwerden: Augenbrennen, Husten, Übelkeit, Kopfschmerzen, Chronische Atemwegserkrankungen: Asthma, Bronchitis, COPD, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Krebs, ungünstige Schwangerschafts‑ und Geburtsverläufe (z. B. niedriges Geburtsgewicht)
Was du hierzu noch wissen musst ist, dass in Ländern wie Vietnam die Kraftstoffqualität wesentlich schlechter ist als z. B. in der EU. Das bedeutet, dass die Luft noch mehr verpestet wird. Auch wird hier viel gepanscht und so entstehen evtl. noch schädlichere Mischungen. Aber so oder so ist das ein weiterer Faktor, der die Luft- und damit auch die Bodenqualität in Ländern wie hier eben erheblich verschlechtert und noch toxischer macht. Wir verwenden täglich medizinischen PMA-Zeolith, um zumindest die Schwermetalle und Schadstoffe, die über den Darm in den Körper gelangen, zu binden und gesammelt auszuscheiden. Lies meinen verlinkten Artikel auf Anjas Weg, um mehr zu erfahren.
1. 3. Frische Luft in den Reisfeldern: Reale Idylle oder Märchen?
Vergiss die vermeintliche Idylle von „fresh air in the rice fields“ – dieser Spruch wird hier gern erzählt. In Hoi An ist niemals wirklich gute Luft (check IQAir) und sie schwankt nur zwischen weniger schlecht und schlecht. Zumal gerade auf den Reisfeldern ständig verbrannt wird, auch ohne burning season. Klar kannst du auch Glück haben. Wir haben damals 2023 / 24 den Fehler gemacht und viel zu spät damit begonnen, Masken beim Rollerfahren zu tragen, weil wir die Dinger aus guten Gründen auch nicht mögen. Leider fanden unsere Lungen das weniger toll und es hat Wochen gedauert bis sie sich später an einem Ort mit guter Luft wieder erholt haben. Potenzielle Spätschäden unbekannt. Diesmal hatten wir uns vorgenommen, konsequent Masken zu tragen, was wir auch gemacht haben, doch natürlich haben wir nicht damit gerechnet vier Monate in einer Nachbarschaft zu leben, in der ständig Müll und Gartenabfälle verbrannt werden, da wir das damals nicht so erlebt hatten. Zudem filtern Masken auch nur Partikel und nicht die giftigen Aerosole, was ich erst kürzlich recherchiert habe, weil ich es noch genauer wissen wollte. In diesem Sinne: Sei besser vorbereitet oder sieh von einem Besuch ab.
2. Hoi An ist voll geworden: Zunehmender Verkehr seit 2025 – ein Symptom des Hoi An Overtourism-Problems
Wir haben 2023 / 24 nach dem C*****-Loch noch einen super Zeitpunkt erlebt, um in Hoi An zu leben. Ja, in den drei Sommermonaten war trotzdem viel mehr los, doch das hat uns nicht so tangiert und bezog sich eher auf einen Strandabschnitt in An Bang. Seit letztem Jahr hat sich das Blatt gewendet. Es sind einfach so viel mehr Touristen hier, weil sehr viele Thailand und Bali streichen und ihr Glück jetzt in Vietnam suchen. Und Hoi An ist ja sowieso beliebt. Das hat zur Folge, dass während der High Season von Juli – August der Strand in An Bang am Wochenende noch überfüllter war (zum Glück ist viel Platz) und sich auf der Straße in An Bang die Autos gestaut haben, inklusive schlechter Luft. Es fahren so viele dicke SUVs rum (die braucht ja heutzutage jeder unbedingt), insgesamt sehr viele Autos und natürlich noch mehr Roller. Diese Massen an Autos gab es damals einfach nicht. Touristen lassen sich von Auto-Taxis überall am Straßenrand abholen und das natürlich auch in der Stadt. Die Folge: Die Straßen sind überfüllt, verstopft, der Verkehr zähflüssig und es staut sich oft. Jeden Tag staut es sich vor Hoi An auf der großen Küstenstraße nach Da Nang und mit dem Auto steht man da ewig. Zum Glück fahren wir nur Roller. Ohne Motorradführerschein darf man jetzt nur noch E-Roller fahren und die neuen E-Roller von Vinfast sind zu empfehlen und machen keine schlechte Luft. Wir sind zwar nicht Feuer und Flamme für Elektrofahrzeuge, weil das letztlich auch nur ein sehr schmutziges Geschäft ist und die Autos fahrende Mikrowellen sind, doch in solchen Smog-Verhältnissen sind wir über jedes E-Fahrzeug erleichtert.
3. Große Bauprojekte am Strand: Cua Dai und An Bang sollen verbunden werden
Ein weiterer Punkt, der das einst angenehme Antlitz von Hoi An trübt, ist ein ein großes Bauvorhaben am Starndabschnitt Cua Dai – An Bang. Nach längerem Rätseln und vermeintlichen Gerüchten hat sich nun bestätigt, dass der ganze Abschnitt durch eine Promenade verbunden werden soll. Der Strand soll verbreitert werden. Juhuu! Das ist, was man an einem Naturstrand braucht: Eine draufgesetzte Promenade. Noch ist uns ein Rätsel, wie das am Ende genau aussehen soll, doch Fakt ist, dass das sicher keine Schönheit addieren wird. Zumindest nicht, wenn man naturbelassene Strände mag. Jedenfalls wird schon seit Monaten der Strand Abschnitt für Abschnitt aufgerissen, große Baufahrzeuge pusten stinkende Dieselabgase in die Luft und man kann dort auch nicht mehr lange Spaziergänge unternehmen. Was eins ein kilometerlanger Strandweg war, ist jetzt abschnittweise Baustelle. Für das Projekt muss natürlich auch diverse Gastronomie, wie beispielsweise das Hit Ha Café weichen. Der Strand von Hoi An wird also genauso vom Bau-Boom überrollt, wie die ganze Gegend landeinwärts. Ich sage nur: Bali ahoi! Und dann heißt es am Ende wieder „die bösen Touristen machen unser Land kaputt“. Finde den Fehler! Die Regierungen müssen handeln, anstatt sich die Taschen im Rausch der Korruption vollzustopfen. Denn wer am meisten von diesen Massentourismus-Entwicklungen profitiert, sollte eigentlich jedem klar sein. Der Strand ist natürlich nicht das einzige Bauprojekt, auch in allen Bezirken wird gebaut, was das Zeug hält. Sowohl Häuser, oft eben für Touristen, als auch Hotels in allen Größen. Das wiederum trägt erheblich zur Staub- und Smogbelastung bei, siehe Punkt 2.


4. Massentourismus am Strand: Motorboote, Jetskis, Banana Boat auf Kosten der Luftqualität
Der neueste Schrei an mehreren Abschnitten am An Bang beach Richtung Norden sind Motorboote, die Touristen zum Paragliding hochziehen, Banana Boats ziehen oder Jetskis, die man mieten kann. Auch das gab es damals nicht. Die Motorboote und Jetskis verpesten die Luft genauso schlimm mit extrem stinkenden Dieselabgasen, wie die vielen Baustellenfahrzeuge und so mancher Roller, der besonders arg stinkt. Oft war am Strand – dem letzten natürlichen Refugium – also nichts mit frischer Luft, weshalb wir ihn lange nicht so oft besucht haben, wie damals. Und in die andere Richtung sind eben die ganzen Baustellen.
5. Hoi An als nächstes Overtourism-Opfer? Das Müllproblem im Detail
Ich komme zum letzten Punkt auf meiner Liste und vielleicht dem unschönsten? Kann ich gar nicht sagen. Weil ich erwarte, dass Hoi An bald genauso in Touristen, Müll und Abgasen ersticken wird wie Bali, habe ich ein bisschen recherchiert und gruseliges herausgefunden, das meine Annahme leider bestätigt hat.
Hoi An ist UNESCO-Weltkulturerbestadt und gilt als eine der Top-Destinationen in Südostasien. Aber bereits knapp drei Kilometer nördlich der Altstadt im im Bezirk Cam Ha, befindet sich etwas, was auch ich bis vor kurzem nicht wusste: Eine riesige Mülldeponie, die eine tickende Zeitbombe ist. Aber eins nach dem anderen.
5. 1 . Der Krimi um die Müllverbrennungsanlage in Hoi An
Landesweit werden in Vietnam zwar immer noch 60 bis 70 % des Hausmülls auf meist ungesicherten Deponien vergraben (keine Bodenfolien oder beschädigte), doch zumindest Hanoi und Ho-Chi-Minh machen mit modernen Waste-to-Energy-Anlagen (Müllverbrennung zur Stromerzeugung) bereits eine Kehrtwende. Leider ist davon noch nichts in Hoi An oder allen anderen Regionen Vietnams angekommen.
Das Müllproblem in Hoi An schwelt seit Jahren und erreichte bereits im Sommer 2019 einen ersten Höhepunkt. Weil die lokale Deponie Cam Ha überlastet war, sollte der Abfall auf eine Regionaldeponie weiter südlich umgeleitet werden. Wütende Anwohner blockierten damals aber monatelang die Zufahrtsstraßen aus Protest gegen den unerträglichen Gestank und die Verseuchung ihres Trinkwassers durch ungefiltertes Sickerwasser, weil auch diese Deponie keinerlei Standards entsprach. Deshalb staute sich der Müll in Hoi An wieder zurück. Die geplante Rettung – eine moderne Müllbehandlungs- und Verbrennungsanlage mit einer Kapazität von 120 Tonnen pro Tag direkt neben der Deponie in Cam Ha – stellte sich als ein völlig verkorkstes Vorhaben und eine reine Investitionsruine heraus. Nach kurzem Betreiben, das komplett fehlgeschlagen ist, steht die Anlage bis heute still und wird nicht saniert. Folgendes Szenario:
- Insolvente Alt-Betreiber: Die Betreiberfirma der alten, ersten, Anlage ging pleite und ist für die Behörden unauffindbar. Verträge können rechtlich nicht einfach aufgelöst werden, was Reparaturen blockiert
- Illegale Bauten beim Neubau: Der Investor einer neuen Anlage direkt neben der alten verletzte beim Bau gravierende Umweltauflagen und baute ohne finale Genehmigungen. Die Behörden verhängten Strafen und verweigern bis heute den Betrieb
- Veraltete Technologie für nassen Müll: Da in Vietnam kein Müll getrennt wird, kommt der Müll extrem nass (Küchenabfälle gemischt mit Plastik) in der Anlage an. Die Öfen sind für diesen feuchten Abfallstrom technisch nicht ausgelegt und verschleißen in Rekordzeit
Zwischenzeitlich sind die von der Regierung gesetzten Fristen zur Inbetriebnahme verstrichen. Die Bilanz im September 2026:
- Täglich werden weiterhin 120 bis 150 Tonnen Restmüll auf die über 30 Jahre alte Deponie Cam Ha geschafft
- Über 70.000 Kubikmeter Müll lagern unter freiem Himmel auf nackter Erde. Giftiges Sickerwasser läuft ungehindert ins Grundwasser. Der Müllberg ist inzwischen so hoch gewachsen, dass er beginnt, den angrenzenden lokalen Friedhof unter sich zu begraben
Das heißt aber trotzdem nicht, dass die private Müllverbrennung gerechtfertigt ist, denn die Müllabfuhr fährt auch in die kleinsten Straßen, das kostet kaum was und jeder, der hier im Umkreis lebt, kann sich das leisten. Und die Müllabfuhr ist sowieso obligatorisch. Kleine Anekdote: Das erste, was uns einer unserer vietnamesischer Nachbarn beim Einzug in die Hand gedrückt hat, war der Zettel mit den Zeiten für die Müllabfuhr. Er verbrennt auch keinen Müll, sondern nur Gartenabfälle. Ist doch was, oder? Das problem mit der Endlagerung ist natürlich eine Nummer für sich.
5. 2. Müll in Hoi Ań: Wer ist in der Pflicht?
Laut Statistiken produziert ein Hotelgast im Durchschnitt täglich dreimal so viel Müll wie ein Einheimischer (0,6 zu 0,2 kg). Meiner Meinung nach muss man das besser aufdröseln, denn letztlich produzieren somit die Hotels den Müll, die ja alles von Zimmerutensilien bis zum Essen bereitstellen. Es sind also die Hotels in der Pflicht, etwas an ihrer Müllproduktion zu verbessern. Dass Selbstversorger wie wir mehr Müll als Einheimische produzieren, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen; hierzu gibt es natürlich keine Zahlen. Wenn ich allein schon sehe, wieviel Dosen Bier die Männer den lieben langen Tag über trinken, wieviele Zigaretten sie rauchen und wieviel überflüssige Plastiktüten verwendet werden, ist dieser Punkt keiner Diskussion mehr wert. Wenn man sich die Geschichte der Müllverbrennungsanlagen ansieht komme ich wieder zum gleichen Schluss: Die Regierung muss hier in die Pflicht genommen werden. Und zwar für die gesamte Kausalkette: Unterrichtung in der Schule und in den Gemeinden, damit überhaupt ein Bewusstsein für und Wissen um die ganze Problematik geschaffen wird. Die Einheimischen werfen den Müll ja auch einfach achtlos weg. Überall liegt er herum. Durchgreifen gegen das private Verbrennen, denn die entsprechenden Gesetze sind bereits da. Dafür sorgen, dass der Müll auch final ordentlich entsorgt wird. Dafür könnte die Regierung mal Investoren ins Land holen, anstatt für andere Unternehmungen, die dann nicht einmal dem vietnamesischen Staat gehören. Aber das ist eine andere Geschichte.
6. Hoi An Overtourism: Das verrät dir niemand – Abschließende Worte
Für mich war es an der Zeit, über diese Dinge zu berichten und deine Aufmerksamkeit, falls du überlegst hierher zu kommen, auch auf die Schattenseiten zu lenken. Denn ich finde es einfach schlimm, wenn Influencer mit Reichweite im Einklang weiterhin ein Loblied auf bestimmte Destinationen singen (z. B. Bali oder Albanien …) und Menschen auch noch weiter motivieren, dorthin zu reisen, obwohl diese Orte bereits unter Overtourism kollabiert sind und keinen einzigen Touristen mehr tragen können. Ich she ja auch in meiner Bekanntenbubble, dass damit geprahlt wird, was man gerade für eine tolle Zeit auf Bali hat. Kein Wort über toxische Luft, die man nicht mehr atmen kann, Müll der sich stapelt und Verkehrskollaps an jeder Ecke. Das ist unverantwortlich. Aber nochmal: Trotzdem sind sie jeweiligen Regierungen in der Pflicht, die leider einfach nur daran interessiert sind, sich die Taschen vollzustopfen, anstatt Tourismus vernünftig zu regulieren und nachhaltig zu gestalten. Und das geht! Angefangen damit, dass man nicht eine Hotelburg nach der nächsten baut und damit das Bettenkontingent quasi unendlich gestaltet. Wir werden so schnell jedenfalls nicht nach Hoi An zurückkommen und werden aus der Ferne verfolgen, wie die Stadt sich entwickelt.



