Reisen nach Saranda, Stadtstrand

Reise nach Saranda, Albanien: Lohnt es sich?

Lohnt sich eine Reise nach Saranda, Albanien? Wir waren zwei Monate dort und haben daher einen sehr guten Eindruck vom Leben vor Ort, Aktivitäten, Bedingungen und den Kosten bekommen. Saranda ist in aller Munde, wenn es um den Süden Albaniens oder einen Ort für digitale Nomaden in Albanien geht. Wie sieht es damit aus, können wir diese „Annahmen“ bestätigen? Hier kommt unser Fazit zu zwei Monaten Saranda.

1. Wie ist das alltägliche Leben in Saranda?

Grundsätzlich geht es in Saranda sehr entspannt zu und du hast natürlich unzählige Möglichkeiten Geld in Restaurants, Cafés und Bars zu lassen. Es ist ein sehr touristischer Ort. Wir fanden es dort jedoch schon nach kurzer Zeit total beengt und eingeschränkt. Warum? Der Ort ist nicht super klein, aber auch nicht wirklich groß und steckt quasi zwischen Bergen und dem Meer fest. Er ist in Treppen aufgebaut und von Einbahnstraßen durchzogen, die schmal sind und auf denen sich entsprechend die Autos stauen. Deshalb ist die Luftqualität dort auch nicht gut und man riecht auch meistens die angestauten Abgase. In IQ Air (mittlerweile mein täglicher Begleiter) war die Luft nie im grünen Bereich. In den Sommermonaten muss das noch schlimmer sein, weil ja viel mehr Touristen unterwegs sind. Es gibt viele hohe Gebäude, keinen Weitblick und fast keine Möglichkeit, mal zu Fuß den Ort zu verlassen.

Ja, da ist der Küstenweg Richtung Norden, den ich im Artikel „Tagesausflüge ab Saranda“ vorgestellt habe. Hier kann man spazierengehen, doch auch dieser Weg war nach ein paar Mal Laufen für uns reizlos, da man trotzdem eher wandert statt schlendert und nicht am Wasser laufen kann. Da hatte z. B. San Juan de los Terreros, wo wir zuvor waren, sehr viel mehr zu bieten und die Weite dort war einfach toll. Wenn du dir gern ohne Schuhe in der Natur die Beine vertrittst, ist Saranda der falsche Ort dafür.

2. Wie sind die Strände in Saranda?

Was das angeht, können wir wirklich gar nichts positives am Ort finden. Zunächst mal gibt es in Saranda keinen langen Strand, sondern nur einzelne Buchten. Das wussten wir vorher, doch dass der „Hauptstrand“ so ein extrem trauriges Bild abgeben würde, war im Vorfeld nicht abzusehen. Ab unserer Ankunft und für mehr als einen Monat war der Strand eine Baustelle, auf der Schutthaufen aufgebracht waren. Kein Sand, sondern Schutt: Steine, Erde. Diese wurden dann kurz vor Ostern, als so langsam die Saison begann, über die Strecke verteilt. Ich wiederhole: Schutt aus Steinen und Erde. Diese Steine waren auch nicht rund geschliffen und angenehm, sondern grobe Bruchstücke, von groß bis klein, die den Barfus-Spaziergang am Strand nicht zu einem Vergnügen gemacht haben und auch rein optisch war das nichts.

Außerdem gibt es in Saranda, wie auch in Vlora, viele streunende Hunde, die nicht nur die Gehwege, sondern auch die Strände vollkacken. Plus Hundebesitzer, die ebenfalls nicht hinter ihren Hunden hinterherräumen und die Kacke im besten Fall noch oberflächlich im Sand vergraben. Hmm, lecker, danke auch! Wir fanden es nur eklig und haben diesen Strand gemieden. Auf den Gehwegen hast du deine Augen besser immer auf dem Boden. Und wir dachten, das wäre in Spanien schlimm.

Auch wird öfter mal stinkendes Abwasser in die Bucht geleitet. Das haben wir in Vlora genauso erlebt (Artikel zu den Stränden dort) und können nicht sagen. ob es zumindest gefiltert war. Uns kam es nicht so vor, weil es gestunken hat und das Wasser danach voll von Schwebeteilchen und richtig trüb war.

Man konnte ab unserer Unterkunft in Richtung Zentrum ein gutes Stück an einigen verbundenen Stränden entlang laufen, doch auch dort war der Kies grob bis sehr grob und die Übergänge zum Wasser teils steil, so dass auch hier ein schöner, entspannender Spaziergang nicht möglich war.

Im Norden des Ortes gibt es noch den etwas weitläufigeren Mango Beach. Wir haben einmal eine Wanderung bis zum letzten nördlichen Zipfel von Saranda gemacht. Dort hinten gibt es nichts mehr, außer Resorts, Hotels und ein paar Restaurants und zur Nebensaison ist es dort komplett ausgestorben. Auch der berühmte Mango Beach war zum Großteil eine unansehnliche Baustelle und erst der wirklich allerletzte Strand ganz im Norden war ein angenehmer Naturstrand. Hier haben wir eine Weile verbracht und die Wasservögel in der Flussmündung beobachtet, die dort ins Meer führt. Eine wirklich schöne Stelle, jedoch zu weit, um dort regelmäßig hinzulaufen. Zumal man eben auch dort nicht über einen durchgängigen Küstenweg hinkommt.

Die meisten Strände in Saranda sind künstlich angelegt, nur dieser besagte letzte Strand wirkte auf uns natürlich.

Am besten gefallen hat uns der Mucobenga Beach südlich von Saranda und außerhalb des Ortes. Man muss ein gutes Stück laufen und er liegt am besagten Küstenwanderweg, wo weiter hinten noch ein netter kleiner Strand kommt.

3. Saranda, bzw. Albanien ist eine Baustelle

Wo wir auch hingekommen sind – überall wird gebaut. Es ist dann auch ganz egal, wo im Ort du wohnst, denn durch die landschaftlichen Gegebenheiten schallt es z. B. in Saranda ziemlich stark und so hörst du immer und überall die Baustellen. Wobei auch in unserer unmittelbaren Nähe einige Baustellen waren. Fast alle Strände im Süden, die wir besucht haben, waren Baustellen, weil eine neue Holzkonstruktion, ein neues Lokal oder sonst irgendwas dort gebaut wurde. Mit dem Ergebnis, dass die Strände so auch komplett verbaut werden.

In Ksamil beispielsweise sind die Strände schon sehr klein und beengt, dann kommst du hin, es wird gebaut und später steht da eine neue Bar, die ein großes Stück Strand wegnimmt. Von Ksamil bis Dhërmi ist das Programm in allen Orten auf Touristen-Bespaßung ausgelegt und dementsprechend ist dann auch das Flair. Wir sind an so vielen Strand-Resorts vorbei gekommen, bei denen wir uns dachten: „Wenn wir dafür gezahlt hätten, wären wir ganz schon angefressen“, denn die Gäste lagen zwischen Liegestuhl- und Holztrümmern, irgendwas wurde gebaut und oft stank es nach Lösungsmittel und Farbe – nein, ich übertreibe nicht. In der Hauptsaison mag das anders aussehen, doch wenn du diese Orte in der Nebensaison besuchen möchtest, überleg es dir besser zwei mal.

4. Preise und Kosten in Saranda: Ist es teuer?

Was das angeht waren wir wirklich sehr überrascht. Saranda ist teuer. Ja, der Süden Albaniens soll kostspieliger sein, als der Norden, doch was wir hier an Geld für Einkäufe ausgegeben haben, war fast zu vergleichen mit deutschen Preisen. Natürlich kannst du dich von Nudeln mit Tomatensoße und sonstiger biller Fertignahrung ernähren, doch wir machen das nicht. Wir essen frisch, ausgewogen und gesund und da musst du dich von dem Gedanken verabschieden, dass du im Süden Albaniens sparen kannst. Im Inland bestimmt, jedoch nicht in den Küstenorten. Es gibt auch einen kleinen Markt in Saranda, doch die Verständigung ist mehr als schwierig und die Preise für Ausländer wie im Supermarkt oder den kleinen Shops. Da brauchst du also nicht hingehen. Essengehen ist natürlich günstiger als in Mitteleuropa, doch wir gehen sehr selten essen. Dennoch fanden wir die Preise für Albanien, wo das Lohnniveau sehr niedrig und die meisten Menschen arm sind, vergleichsweise hoch. Letztlich haben wir dort mehr Geld für Lebensmittel ausgegeben, als in Spanien, was schon irgendwie irre ist.

Unsere Wohnung hat im ersten Monat über Airbnb 460 € gekostet, was wir als angemessen empfunden haben, zumal im März / April ja auch keine Saison war. Wir hatten dann mit der Gastgeberin vereinbart, dass wir den weiteren Monat bar bezahlen und sie wollte erst 600 € dafür haben, wo wir ausgestiegen sind. Dann ist sie auf 550 € runter. Wir haben noch nie erlebt, dass wir für eine Wohnung mehr bezahlen müssen, wenn wir weiter bar (und damit für sie potenziell am Staat vorbei) bezahlen und haben das als Abzocke empfunden.

4. 1. Warum haben wir das gemacht und sind überhaupt länger geblieben?

Nun, wir waren in Monat eins beide abwechselnd ziemlich krank und es hat insgesamt ca. 4 Wochen gedauert, bis wir uns erholt hatten. So war der erste Monat komplett von Krankheit geprägt und wir hatten dann natürlich auch keine Kraft, für den weiteren Monat eine andere Bleibe zu suchen, obwohl wir mit unserer auch nicht glücklich waren. Also haben wir in den sauren Apfel gebissen und weitere vier Wochen in Kauf genommen.

5. Gibt es in Saranda digitale Nomaden?

Diese Frage ist natürlich nur schwer zu beantworten, weil wir nicht jeden Fragen, ob er ein digitaler Nomade ist. Fakt ist aber, dass wir im Großen und Ganzen entweder Familien, Rentner oder junge Party-Gruppen gesehen haben. Es gibt einen Coworking Space, den wir jedoch nicht genutzt haben, weil wir das nie tun. Dort wirst du vielleicht auf digitale Nomaden treffen. In Cafés und Restaurants ist uns niemand aufgefallen, der am Laptop arbeitet. Zumal es eben alles ganz normale Cafés und Restaurants sind. Selbst unten an der Promenade wirkte kein Laden so, als ob man sich da jetzt zum Arbeiten reinsetzen würde, anders als z. B. in Hoi An, wo viele einfach in geeigneten Cafés arbeiten. Ab Ostern haben sich die jungen Party People explosionsartig vermehrt und wir waren sehr froh, dass wir noch vor dem ganz großen Ansturm abgereist sind. In entsprechenden Facebook-Gruppen habe ich übrigens bzgl. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft keine guten Erfahrungen gemacht. Es gibt dort sicher Expats, aber die musst du gezielt suchen.

6. Unser Fazit zu Saranda und zum zweiten Aufenthalt in Albanien

Ganz klar: Wir würden nicht noch einmal nach Saranda reisen. Für uns ist dieser Ort komplett überbewertet und über-hyped, zu gedrängt, zu touristisch, zu teuer und das allergrößte Manko ist die fehlende Verbindung zur Natur. Da fanden wir Dhërmi beispielsweise sehr viel netter, allerdings auch nur den alten Teil auf dem Berg, denn unten im Strandort hat sich in den Straßen auch alles gestaut. Der Strand dort ist aber zumindest lang und ausreichend breit. Himarë ist auch ganz nett, aber sehr klein und auch hier gibt es kaum Strand, der jedoch ganz nett ist. Wir hatten ja letztes Jahr schon gesagt, dass wir bei unserem nächsten Albanien-Aufentnhalt in den Süden reisen. Dass sich das so schnell ergeben hat, war Zufall. Wenn du in Albanien Urlaub machst und Saranda unbedingt sehen möchtest reichen 3 – 4 Tage völlig aus, so dass du die Umliegenden Sehenswürdigkeiten besuchen kannst.

Fazit allgemein (letztes Jahr einbezogen) zu Albanien: Kein Land für uns. Man muss die Strände suchen (Strand ist uns sehr wichtig), dann sind das oft kleine Buchten, die auch noch schwierig zu erreichen und vor allem zur Saison überfüllt sind. Was die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten angeht, waren wir auch diesmal begeistert. Wobei es nicht überall schön ist, man muss wirklich in die Berge oder an die Küste. Die Berge im Süden sind toll; wir wollten ja nochmal im Frühjahr hin und das lohnt sich wirklich. Sollten wir noch einmal nach Albanien reisen, wäre das letzte Puzzleteil für uns ein reiner Wanderurlaub in den albanischen Alpen. Mit Betonung auf Urlaub und nicht Leben als digitale Nomaden. Die Mentalität finden wir ja allgemein auch schwierig, da man zumindest im Service, was als Tourist ja die erste Anlaufstelle ist, meist auf grummelige Menschen stößt, die keine Miene verziehen. Und ich spreche jetzt nicht von Hotels und Restaurants, die auf Touries gepolt sind, sondern ganz normale Märkte und Restaurants. Das nervt auf Dauer einfach. Natürlich gibt es auch andere Beispiele, doch es geht hier um das erlebte Gesamtbild.

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