Hello Pachamama
Parque Tayrona Kolumbien

Kolumbien – Ein Fazit

Nach knapp sechs Monaten in Kolumbien meinen wir, uns ein ganz gutes Bild vom Leben dort gemacht zu haben. Natürlich sind wir nicht in jedes Eckchen vorgedrungen, doch waren wir mit der Karibikküste, die als komplett anderes Land gehandelt wird, und Antioquia, wo es die freundlichsten Menschen geben soll, in markanten Gegenden dieses großen Landes unterwegs. Wenn du sowohl Kolumbianer selbst als auch Reisende fragst, werden alle dir sagen, dass die Karibik ein Land im Land ist. Weil dort eine ganz andere Mentalität herrschen soll, da die schwarze Kultur, wie überall in der Karibik, vorherrschend ist. Wir können das nicht komplett bestätigen. In Feinheiten allerdings hat sich der Umgang der Leute mit uns unterschieden.

Wer sich an unseren Artikel zu Paraguay erinnern kann wird erahnen, wo das hinführt. Die Mentalität der Menschen in Kolumbien hat uns nicht überzeugt. Wir sind immer knallhart ehrlich mit so etwas, denn wir wollen eine authentische Einschätzung mit allen Pro und Contras geben. Für uns ist das wichtig, da wir einen Platz zum Leben suchen und wir gehen davon aus, dass das auch für andere wichtig ist. Unsere Bilanz. 

1. Schwindeleien und Lügen

In Cartagena (hier geht es zu unserem Artikel) wohnten wir ein paar Tage bei einer Kolumbianerin, die uns Spaß gemacht hat. Wir waren dort allerdings nicht lange genug, um ein Fazit ziehen zu können, wie es auf Dauer gelaufen wäre. Im Dschungel in Trompito, waren unsere Hosts zu Beginn sehr gastfreundlich (hier geht es zu unserem Artikel in zwei Teilen). Wir wurden sogar auf Familienfeiern eingeladen und hatten ein gutes Verhältnis. Doch leider war die Unterkunft von Beginn an in vielen Bereichen mangelhaft und nicht das, wofür wir bezahlt hatten. Wir haben vieles geschluckt und uns damit arrangiert, weil sie sehr schön gelegen war und wir den Dschungel einfach sehr genossen haben. Doch nach ein paar Wochen und nachdem wir bereits verlängert und bezahlt hatten, häuften sich die Mängel und falschen Versprechungen. Hier haben wir gemerkt, dass auch in Kolumbien Unwahrheiten, Flunkereien und handfeste Lügen den Menschen nur so aus dem Mund fliegen. Dieselben Eindrücke hatten wir bereits aus der Dominikanischen Republik, Costa Rica und Paraguay mitgenommen und sie zogen sich weiter durch. Wenn du beispielsweise nach etwas im Laden fragst, heißt es grundsätzlich „ja”. Beispiel: Ist das eine Avocado? Ja! Obwohl da eine Mango vor dir liegt. Hauptsache verkaufen. Du weißt besser immer Bescheid, was du kaufst, oder du fragst offen „was ist das?”. 

2. Umgang mit Problemen

Sprich bloß nicht zu viele Probleme an, dann bist du sehr schnell der Schuldige. Und zwar auf allen Ebenen. Du bist Schuld, dass du überhaupt da bist. Du bist Schuld an den Problemen. Du bist der Gringo, der nicht dazugehört. Sehr unschön war auch, dass hinter dem Rücken anderer Gäste in unsere Richtung über diese Beschwerden und Beschimpfungen eingegangen sind, obwohl wir die Seite der Gäste kannten und wussten, dass es um dieselben Dinge ging, wie bei uns. Wir haben das natürlich weitergegeben und zu verstehen gegeben, dass wir hier nicht mitgehen, denn so etwas können wir gar nicht leiden. Das hier ist leider, wie bereits erwähnt, kein Einzelfall.

Die Sache mit den Unwahrheiten ist das eine, die Fehlerkultur das andere. Die Menschen dort sind nicht gewillt sich einzugestehen, dass sie etwas ungenügend oder gar nicht gemacht haben. Es werden Ausflüchte gesucht, es war immer jemand anderes Schuld oder eben du selbst. Und dann wird nicht verbessert. Die Dinge werden lieber zehn mal schlecht als einmal ordentlich gemacht und da fragt man sich dann auch, wie die Leute sich das bei den dortigen Armutsverhältnissen denken.

3. Freundlichkeit in Kolumbien

Was die Freundlichkeit und Umgänglichkeit betrifft, sind die Menschen im Inland tatsächlich zugänglicher (hier geht es zu unseren Artikeln zu Medellín in zwei Teilen und zu Guarne). Doch allgemein empfanden wir die Freundlichkeit nur als oberflächlich und wie weggeblasen, sobald irgendetwas aufkommt. Oder, wenn man nichts kaufen mag. Auch das war allerdings im Inland viel besser. Ein anderer deutscher Reisender hat uns erzählt, dass er in der Karibik rassistischen Äußerungen ausgesetzt war und auch wir haben dort schon die Erfahrung gesammelt, dass es umgekehrten Rassismus gibt. Nicht auf so offensive Art, doch merkbar genug. So sind leider zu viele Menschen. Beklagen sich über die eine Seite, aber machen dasselbe in die andere Richtung. 

4. Tranquilo?

Die Gastfreundschaft dauert auch nur solange, wie man nicht anspricht, dass die versprochene Leistung für den gezahlten Betrag nicht erbracht wurde. Es gibt ja wirklich immer viele vermeintliche Entschuldigungen für diese Themen, doch am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Entweder, du bietest eine ehrliche Dienstleistung an, oder eben nicht.

Egal in welchem Land, egal, welche Nationalität du hast. Nicht umsonst trösten sich gerade Auswanderer aus Europa mit dem üblichen „tranquilo” oder “man muss hier entspannt bleiben, sonst ärgert man sich nur”, etc. pp. Nicht alle sind allerdings für diese Einstellung gemacht und das müssen sie auch nicht sein.

5. Wenn aus entspannt lethargisch wird

Warum gehen so viele Europäer und Amerikaner nach Südamerika? Weil es dort im allgemeinen entspannter und natürlich weitaus weniger reglementiert ist als in Deutschland, Europa oder den USA. Wir finden das natürlich auch gut, doch alles hat seine Grenzen und wir empfinden das so, dass dort aus entspannt bereits lethargisch geworden ist. Um Essentielles wird sich nicht gekümmert, die Dinge, die man ändern oder besser machen könnte, werden einfach so gelassen. Beispiele hierfür sind die Müllproblematik, Instandhaltung der eigenen Besitztümer, Arbeitsqualität und -wille ganz allgemein, angebotene Dienstleistungen, und und und. 

Mit großer Bestürzung haben wir auch in Kolumbien das Verhalten bzgl. Müllentsorgung beobachtet. Und es gibt dort eine Müllabfuhr, sogar in Palomino, einem politisch vergessenen Fleckchen Erde. Doch die Menschen kümmern sich einfach nicht darum, denken nur für heute, nicht für morgen und so entstehen die Probleme, die eben ganz offen sichtbar sind. Genauso, wie am Strand von Palomino (hier geht es zu unserem Artikel). An solchen Beispielen lässt sich sehr gut erkennen, dass es ganz ohne Regulierungen leider auch nicht geht. Weil die Menschen eben so sind. Es muss leider doch immer irgendjemand sagen, was wie gemacht werden muss. Das soll nicht bedeuten, dass wir dieses Gefüge gut finden. Doch wir beobachten, dass das Gros der Menschen einfach nicht anders kann.

In Palomino z.B. ist es dasselbe Muster: Es wird einfach gemacht, ohne nachzudenken. Dann wird mit Provisorien versucht, das angerichtete Chaos zu bereinigen. Wir haben uns darüber ausführlich mit einem Anwohner (Kolumbianer) unterhalten, der an dieser Einstellung ebenfalls verzweifelt. Provisorien halten am längsten, richtig?

6. Lärm und Rücksichtslosigkeit

Ein weiterer Punkt, der uns dort wirklich sehr genervt hat, ist der Lärm. Überall stehen überdimensionale Lautsprecherboxen, die Musik in Dauerschleife und im Dröhnmodus spielen. Wir fragen uns nur immer, warum den Menschen dort nicht die Ohren abfallen. Auch in der Nachbarschaft wird keine Rücksicht auf Verluste genommen und gern mal das ganze Dorf oder Tal mit der eigenen Musik beschallt. Wenn man um Rücksicht bittet, bittet man vergeblich. Es gibt dort keine Wahrnehmung dafür, ob der Nachbar das nicht möchte, oder ob das in Ordnung ist, was ich hier mache. “Es la cultura” wird dann immer wieder gesagt. Wir fragen uns schon, was überdimensionierte Lautsprecherboxen, die kilometerweit schallen, mit echter Kultur zu tun haben. Doch diese Dinge liegen dann wohl im Auge des Betrachters. In der Stadt ist es diesbezüglich weitaus besser als auf dem Land. 

Gefühlt jeder Mensch hat dort mindestens einen Hund, meistens mehr, die kläffen, was das Zeug hält. Sie kläffen und kläffen und hören nicht auf damit. Manchmal stundenlang, die ganze Nacht – was man sich nur vorstellen kann. Die Leute erziehen sie diesbezüglich einfach nicht und sagen ihnen auch nicht, dass sie aufhören sollen, wenn sie direkt daneben stehen. Schon klar, das sind alles Wachhunde, doch stundenlanges Bellen ist deshalb trotzdem nicht nötig. Auch hier fragen wir uns einfach nur, warum die Leute das selbst nicht stört und sie kein Gefühl dafür haben, dass andere das stören könnte. Vor allem, wenn man deshalb nicht schlafen kann. 

7. Aufmerksamkeit

Nicht nur in den Unterkünften, sondern auch bei fast jedem Restaurant-Besuch war es so, dass irgendetwas gefehlt hat oder falsch war. Je mehr los war, desto mehr hat man gemerkt, wie die Bedienungen ins Schleudern kamen und die Arbeit zu viel wurde. Wir haben uns mit Fred, dem Franzosen in Palomino, unterhalten, da er nur Kolumbianer beschäftigt hatte. Er hat beklagt, dass er seinen Mitarbeitern jeden Tag dieselben Dinge aufs Neue erklären muss. Dass es tagein tagaus dasselbe Spiel ist und er ständig hinterher sein muss, damit alles läuft. “Wie in der Schule”, hat er gesagt. Dass das stimmt hat man daran gemerkt, dass die Qualität der Sauberkeit und Dienstleistung im Restaurant sofort nachgelassen hat, wenn er mal nicht vor Ort war. Hier sind wir wieder bei der schon genannten mangelnden Sorgfalt und dem fehlenden Willen, mal 100 Prozent zu geben und das Tun und Handeln gut zu durchdenken. Sauberkeit ist ein Fall für sich, denn in fünf von sechs Unterkünften war nicht ordentlich geputzt, der Boden teils super dreckig oder überhaupt nicht gemacht. Unangenehm! 

8. Lebensmittel und Kosten in Kolumbien

Was Obst und Gemüse angeht, können wir uns über Vielfalt und Qualität nicht beklagen! Es gibt dort einfach alles und das – in den richtigen Fruterias – in guter Qualität. Vor allem genossen haben wir die große Vielfalt an Obst. Das Gemüse schmeckt auf jeden Fall aromatischer als in Deutschland. Es muss einem allerdings bewusst sein, dass dort mit Spritzmitteln behandelt wird, die in Europa verboten sind. Ergo, das Obst und Gemüse ist noch viel belasteter als in Europa. Insofern hatten wir dort auch kein gutes Gefühl auf Dauer unsere Nahrung zu kaufen. Das einzige Bio-Angebot, das wir gesehen haben, war ein winzig kleiner Abschnitt im Kühlbereich eines Supermarktes in Medellín. Und das ist dann sehr teuer. Auch abgepackte Waren in Bio-Qualität muss man mit der Lupe suchen. Wir können uns nicht entsinnen, welche gesehen zu haben. 

Wer ordentlich, vielfältig und qualitativ hochwertig würzen möchte, wird dort nicht glücklich werden. Bei Gewürzmischungen muss man sehr genau hinsehen, da die meisten Glutamat enthalten.

Lebensmittel sind kostengünstig, zumindest außerhalb von Großstädten. Dort zahlt man wesentlich mehr. Unser Maßstab waren immer unsere zwei Rucksäcke voll mit Obst und Gemüse für 8 – 16€, je nach Einkauf und Füllung (auf dem Land oder in Santa Marta). Der Discounter D1 ist teurer als Aldi in Deutschland. Besondere Produkte, wie Pflanzendrinks, Nussmischungen, Saaten, Kerne, Tofu, etc. sind kostspieliger. Im Exito Supermarkt kann man hierfür eine ganze Stange Geld mehr als in Deutschland loswerden. 

9. Landschaft und Natur

Was das angeht kann man von Kolumbien nur begeistert sein! Welches Land bietet schon eine so große Vielfalt an allem? Es gibt dort von Wüste, über gemäßigte Nebelwälder, bis hin zu tropischem Dschungel, inklusive Amazonas und zurück zu Gletschern auf hohen Bergen alles, was das Herz von Naturliebhabern begehrt! Wenn wir die Kraft gehabt hätten, uns all das anzusehen, hätten wir es gemacht. Doch dafür war nicht der richtige Zeitpunkt. Für Kolumbien sollte man sich eine lange Tour durchs Land vornehmen und gut planen. An diesem Punkt haben unsere Herzen zugegebenermaßen ein wenig geblutet und wir holen das in der Zukunft nach, wenn es denn möglich sein wird.

10. Fazit Kolumbien

An dieser Aussage werden sich viele anstoßen, aber: Es ist nicht verwunderlich, dass in diesen Ländern die Dinge laufen, oder auch nicht laufen, wie sie laufen. Alles hat einen Grund. Dabei ist uns durchaus bewusst, dass diese Länder über Generationen stark traumatisiert sind und auch das wiederum einen Grund hat. Irgendwann ist aber auch mal Zeit, aus der Opferrolle herauszutreten und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Wir vermissen Kolumbien nicht und unsere Zeit dort hat uns nur noch mehr gezeigt, dass Lateinamerika nicht der Kontinent ist, auf dem wir später mal leben möchten. Ein große und wichtige Erkenntnis vor allem für Anja, die sich dort gesehen hat. Das ist aus verschiedenen Gründen noch immer so. Doch das verwestlichte Süd- und Mittelamerika, dass seine kulturellen Wurzeln mehr und mehr vergisst, ist nicht dieses, mit dem wir uns verbunden fühlen. Wir haben die Energie dort allgemein als schwer und belastend empfunden. Die Mentalität im Kern zu hart und zu grob. Zudem fehlen uns bei den Menschen Empathie und Sensibilität. Sicherheitsaspekte sind ebenfalls ein Grund. Wir möchten nicht unser ganzes Leben als “Gringos” (das finden wir im übrigen auch abfällig) über die Schulter gucken müssen. Da müsste schon viel passieren, z. B., dass gar nichts anderes mehr möglich ist. Weshalb wir die Versicherung Paraguay abgeschlossen haben.

Wir wollen definitiv nochmal nach Kolumbien, um uns die wunderbare Natur dort so vollumfänglich wie möglich anzusehen. Das ist aber auch der einzige Grund. Ansonsten hat uns dort nichts so richtig gefesselt. Doch Lateinamerika muss warten. Wir sind dort auch nur hingereist, weil wir unsere Papiere für Paraguay erledigen wollten und weil Asien zu unserem Abreisezeitpunkt dicht war. Aufgrund all der Dinge, die wir hier geschildert haben und auch der viel höheren Kosten als in Asien, waren unsere acht Monate dort ein notwendiger, doch so nicht gewollter Aufenthalt.

Lateinamerika ist für uns weiterhin ein super interessanter Kontinent, den wir ausführlich bereisen wollen. Ganz oben auf der Liste steht immer noch ein Besuch im Amazonas. Der richtige Zeitpunkt dafür liegt allerdings (hoffentlich) in der Zukunft. Und die Suche nach einer Heimat für unsere Seelen geht weiter.

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