Mae Kampong in der Provinz Chiang Mai – ein kleines Bergdorf, das in den sozialen Medien als absoluter Geheimtipp gehandelt wird. Kaum touristisch, ursprünglich, verwunschen und ruhig. Doch ist das wirklich so? Von Mae On aus, wo wir wohnen, ist es nicht weit bis Mae Kampong und natürlich wollten wir das wundersame Dörfchen im Bergdschungel Nord-Thailands besuchen. Was halten die Social Media-Versprechen und lohnt sich ein Besuch in Mae Kampong? Hier kommt unser Reisebericht.
- 1. Historie von Mae Kampong Chiang Mai
- 2. Anreise nach Mae Kampong und Parken
- 3. Walking Street in Mae Kampong: Alter Charme oder Touristenfalle?
- 4. Tempel im Ortskern von Mea Kampong: Ursprünglich
- 5. Mae Kampong Wasserfall: Das eigentliche Highlight für uns
- 6. Was und wo Essen in Mae Kampong Chiang Mai?
- 7. Tipp 1: Laufe in den nächsten Ortsabschnitt weiter unten
- 8. Tipp 2: Fahr zum Viewpoint Kew Fin
- 9. Unser Fazit zu Mae Kampong Chiang Mai
1. Historie von Mae Kampong Chiang Mai
Mae Kampong ist ein rund 100 Jahre altes Bergdorf. Die ersten Bauern kamen vermutlich schon vor mehr als 200 Jahren aus der Gegend um Doi Saket, offiziell gegründet wurde das Dorf aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Region eignete sich gut für den Teeanbau. Der Name setzt sich aus „Mae“ (Fluss, wörtlich „Mutter“) und der gelb-roten Kampong-Blume zusammen, die am Bach wächst.


Die Menschen lebten lange von Miang, fermentierten Teeblättern, die eine nordthailändische Spezialität sind. Als die Nachfrage danach sank, suchten die Dorfbewohner neue Einkommensquellen. In den 1980er-Jahren begannen sie im Rahmen des Royal Project mit dem Kaffeeanbau. Außerdem bauten sie am Bach ein kleines Wasserkraftwerk mit 40 kW, das das Dorf versorgt und überschüssigen Strom ins Netz einspeist.
Bereits Mitte der 1990er-Jahre entwickelte sich das Dorf zum Ökotourismus-Ziel. Der Dorfvorsteher legte fest, die Naturlandschaft und die traditionelle Bauweise zu schützen und Gäste in Homestays aufzunehmen. Das Naturschutzprojekt startete 1996. Die Einnahmen fließen bis heute genossenschaftlich in Gemeinschaftsprojekte. Aus dem kleinen Agrardorf mit rund 130 Haushalten wurde so ein Vorzeigebeispiel für nachhaltigen Tourismus.
2. Anreise nach Mae Kampong und Parken
Wir sind mit dem Roller in die Berge gefahren, was 35 – 45 Minuten dauert, je nachdem, wie gemütlich du fährst. Es ist also ein Katzensprung. Du kannst auch den Hot Springs-Sammel-Van buchen, der in Chiang Mai am Waroros Market startet und in Mae On einen Zusteige-Stopp an den San Kamphaeng Hot Springs macht. Hier ist es auch möglich, sich an der Straße im Ortskern einsammeln zu lassen, doch der Preis ist mit 800 Bath, also umgerechnet etwa 20 € für 2 Personen Hin- und Rückfahrt ziemlich happig. Uns zwar egal, ob du bereits in Chiang Mai oder erst in Mae On zusteigst. Dazu bist du zeitlich gebunden und abhängig, wovon wir keine Fans sind. Natürlich geht das auch mit Grab, Bolt oder Maxim, ist aber noch teurer. Nimm also einen Roller, wenn es geht. Eine Fahrt ab Mae On nach Chiang Mai kostet dagegen nur die Hälfte, weshalb wir die Preisgestaltung etwas seltsam finden. 🤔 Den Roller kannst du im Ortskern von Mae Kampong problemlos am Straßenrand parken. Lass dich nicht von den Schildern für kostenpflichtige Parkplätze (50 Bath) in die Irre führen. Eine frühe Ankunft um 9 – 9:30 Uhr morgens lohnt sich, da noch nichts los ist. Momentan ist allerdings auch keine Saison und wir waren an einem Freitag dort. Am Wochenende ist sicher mehr los. Beachte bei deiner Planung, dass der Ort in den Bergen liegt und es teils recht steile Abschnitte gibt, was aber kein Problem ist, wenn du normal zu Fuß und nicht faul bist. Laut Fitness-Tracking-Uhr haben wir in den ca. 7 Stunden, die wir dort waren, 95 Stockwerte an Höhe und knapp 15.000 Schritte zurückgelegt.
3. Walking Street in Mae Kampong: Alter Charme oder Touristenfalle?
Wir haben festgestellt, dass die Walking Street in Mae Kampong, die auch praktisch der ganze Ort ist, lange nicht so szenisch, mystisch und ursprünglich ist, wie in den diversen Videos dargestellt. Ganz im Gegenteil ist es dort zu 100 % auf Tourismus ausgelegt. Alle Häuser sind Restaurants, Cafés und Shops für Souvenirs oder Kleidung. Außerdem gibt es einige Neubauten und vor allem an der Straße zum Dorf wird rechts und links immer mehr Dschungel verbaut. Wie das leider immer so ist. Vom Konzept her ist es dort wie in der Altstadt von Hoi An, wo die alten Häuschen für ebendiese Zwecke genutzt werden. Hat Mae Kampong trotzdem Charme? Ja, hat es! Es ist ein gemütliches, kleines Örtchen mitten im Bergdschungel und wir hatten es die ersten zwei Stunden quasi für uns allein. Es waren noch nicht alle Restaurants geöffnet, kaum andere Besucher waren dort und wir konnten uns ganz in Ruhe umsehen. Außerdem sind die Verkäufer nicht aufdringlich; anders als in Hoi An, wo du an jedem Stand angesprochen wirst.


Vielleicht wird sich aber auch das mit wachsender Popularität des Ortes ändern. Immerhin ist es mit Tourismus seit den 90er Jahren ja doch nicht so ein „krasser“ Geheimtipp und die ganzen modernen Bauvorhaben lassen nichts Gutes erahnen. Es ist schade, dass die Regierung (oder der Dorfvorstand …) wieder einmal nur den Profit, statt die Erhaltung von Charme im Auge hat. Genau auf diese Weise werden schöne Orte zerstört, denn je mehr Unterkünfte, desto mehr Touristen. Logisch, oder? Ob das dann noch so nachhaltig bleiben kann, ist auch eine Frage.


4. Tempel im Ortskern von Mea Kampong: Ursprünglich
Zwischen dem unteren Teil des Ortes und dem belebteren Hauptteil liegt der Tempel von Mae Kampong. Er ist aufgeteilt in mehrere kleine Anlagen und eine davon befindet sich in einem Stelzenhaus direkt im Fluss.


Man muss von Stein zu Stein springen, um dorthin zu gelangen. Der Tempel ist aus Holz gebaut, wie alle Häuser dort, und wirkt sehr ursprünglich und unangetastet. Die vermooste steinerne Balustrade und die verwinkelten Treppen ließen ein wenig Tomb Raider-Feeling bei uns aufkommen.


5. Mae Kampong Wasserfall: Das eigentliche Highlight für uns
Wenn du den Ortskern komplett durchquert hast, läufst du noch etwa 15 – 20 Minuten zum Mae Kampong Wasserfall. Du kannst auch eines der grauen Sammeltaxis nehmen, die im Ortskern bereit stehen. Wir haben Verhandlungen mitbekommen, die 30 Bath pro Person veranschlagt haben. Wenn du normal zu Fuß bist, dann lauf den Weg, das ist gar kein Problem und du kannst dich in Ruhe überall umsehen.


Entlang des Wasserfalls führt ein Weg nach oben. Kaum ein Besucher geht ihn mehr als ein paar Stufen – wir sind den Weg bis ganz nach oben gelaufen. Auch das ist absolut machbar. Ab einer gewissen Höhe wird es allerdings unwegsam, da ein umgestürzter Baum den Weg blockiert, dort musst du darüber klettern. Danach ist der Weg recht unbefestigt, beschädigt, rutschig vor Wasser, zugewachsen mit dicken Lianen und Mücken und Blutegel warten auf dich. Doch wenn du ein tolles Naturerlebnis im Dschungel haben möchtest, dann nimm das in Kauf, denn es lohnt sich absolut!




Oben hast du noch eine tolle Aussicht und du bist einfach ganz allein im Dschungel. Das ist unbezahlbar und wird dir eine bleibende Erinnerung schenken. Für uns war das das Highlight unseres Besuchs in Mae Kampong!

6. Was und wo Essen in Mae Kampong Chiang Mai?
Es gibt ja einige Restaurants dort und wir haben uns erstmal die Google-Bewertungen angesehen, da die Qualität in solch touristischen Gebieten erfahrungsgemäß leiden kann. Aus zwei sehr gut bewerteten Restaurants haben wir uns eines herausgesucht und das berühmte Kao Soi-Gericht gegessen, das wir bis dato noch nicht probiert hatten. Es sollte dort ganz besonders gut und das beste sein, das eine Besucherin bisher gegessen hatte. Das hier ist das Restaurant. Ich habe mit Hühnchen, Martin mit Rind bestellt. Wir waren total überrascht vom Geschmack, da es ein sehr süßes Gericht ist. Das Essen in Thailand ist überhaupt sehr süß, doch das hat alles getoppt und wir mussten uns erst daran gewöhnen. Es ist lecker, keine Frage, aber wir würden das eher als Süßspeise einordnen. 😅


Wenn du Rind bestellst wirst du sehr viel Fett am Fleisch haben, das durch das lange Kochen wie Gelee ist. Nichts für mich, aber für Martin war es dann ok. Übrigens bestellen wir immer nicht scharf, weil die Gerichte trotzdem noch leicht scharf serviert werden. MSG konnten wir hier nicht vermeiden, da die Brühe morgens fertig so gemacht wird, es hatte zum Glück keinen merklichen Effekt. Fazit also: Lecker, aber eben süß und uns fehlt der Vergleich, den ich in Chiang Mai nachholen möchte. Hühnchen hat 89 Bath gekostet, Rind 120 Bath. Für einen Touri-Ort moderate Preise.

Leckeren Käsekuchen bekommst du im Teddu Coffee & Inn, dem berühmten Café mit der Hängebrücke. Jaaa … das wollte ich unbedingt machen. 😁 Lohnt sich aber durchaus, weil der Kuchen wirklich sehr gut war, die Stücke mal etwas größer als der asiatische Durchschnitt und du eben für die Experience bezahlst, ganz besonders szenisch genießen zu können und dann noch die Hängebrücke zu überqueren. Wir hatten den Double Cheesecake. Alle kosten 135 Bath, bis auf Macadamia und Honey Cheesecake, die sind teurer. Imkerhonig sowie Waben werden auch im Ort verkauft. Die beiden Damen dort waren allerdings nicht sehr freundlich, was uns angesichts der low Season und nur einer Hand voll Besucher etwas gewundert hat, aber gut – es hat sich gelohnt.



Weil wir einen weiteren Kuchen probieren wollten, sind wir danach noch in das Café / Restaurant gegangen, das du auf dem Screenshot siehst. Es scheint keinen Google-Eintrag zu haben. Wir hatten dort die gut aussehenden Käsekuchen in der Auslage gesehen und haben uns dann für ein Stück Tiramisu-Kuchen entschieden. Der Preis war mit 130 Bath fast gleich, wie im Teddu Coffee & Inn, das Stück aber kleiner und du hast nicht die Experience. Der Kuchen hat aber gut geschmeckt und man kann dort auch schön am Fluss sitzen.




Vielleicht bist du ja mutig und isst an einem der Streetfood-Stände eine Bienenwabe mit Larven darin. Super gesund ist das allemal, wir haben es ausgelassen.

7. Tipp 1: Laufe in den nächsten Ortsabschnitt weiter unten
Die meisten Leute lassen sich in den Ortskern fahren, laufen dort ein bisschen herum, lassen sich dann zum Wasserfall fahren, gehen dort ein paar Stufen, essen etwas und gehen wieder. Das ist ein Fehler, denn das wirklich Interessante und Schöne an Mae Kampong sind die Natur und besondere Kleinigkeiten, die man entdecken kann. So findest du einen Abschnitt weiter unten ein süßes Café mit Kunstverkauf, das bunt und gesund gestaltet ist.


Wenn du den geheimen Weg beim verlassenen Haus nebenan findest, bekommst du ganz besondere Einblicke. Dort führt auch ein Pfad weiter in den Dschungel zu einer kleinen Kaffeeplantage.

8. Tipp 2: Fahr zum Viewpoint Kew Fin
Die Bergstraße führt natürlich weiter am Wasserfall vorbei in die Berge. Dort gibt es den Viewpoint Kew Fin, den wir ganz am Ende noch besuchen wollten, doch die Reifen unseres Rollers haben Luft gelassen und so mussten wir die teils sehr steile Fahrt nach oben leider streichen, um mit der verbliebenen Luft noch möglichst sicher zurück nach Hause zu kommen. So oder so wird es sich lohnen, die Straße in die Berge weiter zu fahren und hier und da Halt zu machen. Schade, dass das für uns nicht mehr geklappt hat.


9. Unser Fazit zu Mae Kampong Chiang Mai
Aufgrund der Videos, die wie auf Instagram gesehen hatten, haben wir uns vom Ort selbst insofern mehr versprochen, als dass die bereits erwähnte Mystik und Ursprünglichkeit gefehlt haben. Trotzdem haben wir den Ausflug (ca. 6 Stunden ohne Fahrtzeit und alles gemütlich) sehr genossen, weil wir die Landschaft und das Flair insgesamt einfach toll fanden. Wie gesagt, war für uns das Highlight der Wasserfall, weil es ein echtes Naturerlebnis im Dschungel ohne andere Menschen war. Bergdschungel, kaum Menschen und tolle Wasserfälle – das hatten wir zuletzt 2021 in der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien.
Du kannst in Mae Kampong tolle Aussichten genießen, leckeren Kuchen essen, dich durch die verschiedenen Streetfoods probieren und die Seele einfach mal ein bisschen baumeln lassen. Wie es zur Hauptsaison ist, wissen wir natürlich nicht, aber auch dann wird es unter der Woche entspannter sein. Viel Spaß bei deinem Besuch in Mae Kampong!

