Nine Arches Bridge Ella

Bandarawela und Ella – zwei Wochen Zeitverschwendung?

Nach den vier Wochen in Kandy war es Zeit weiterzuziehen, da wir ja eigentlich nach Sri Lanka gereist sind, um auch etwas vom Land zu sehen. Uns ist in Kandy auch allmählich die Decke auf den Kopf gefallen, da wir alles für uns Relevante erkundet hatten und die Umgebung nicht einlud, sich täglich draußen aufzuhalten. Wir sind auch keine Inlands- oder Bergmenschen, doch Ella und Umgebung wollten wir unbedingt noch sehen, also haben wir einen Stop eingeplant.

1. Wie von Kandy nach Bandarawela?

Wir haben für die Fahrt einen privaten Fahrer gebucht. Eigentlich wollten wir den berühmten Zug, der von Kandy bis nach Ella fährt, nehmen und von dort aus mit einem Taxi weiter fahren. Die Plätze in der ersten Klasse (mit Gepäck unbedingt ratsam) sind jedoch heißbegehrt und so war er leider ausgebucht. Mit dem Auto fährt man allerdings durch dieselbe Landschaft und so konnten wir sie auch genießen und uns sogar noch einen Eindruck von Nuwara Eliya, little England, machen, der zumindest vom Auto aus positiv ausfiel. 

2. Warum Bandarawela statt Ella?

Bandarawela ist die nächstgrößere Stadt nahe Ella. Sie liegt lediglich eine dreißigminütige Busfahrt entfernt.

Wir mussten uns dort einquartieren, da es in Ella für uns kein passendes Apartment für einen längeren Aufenthalt, der tägliche Arbeit mit gutem Internet beinhaltet, gab. Unterkünfte waren in Sri Lanka generell ein Problem für uns. Angefangen bei einer Küche, in der man kochen kann, weiter über einen Platz zum Arbeiten und Internet generell, hin zu Schmutz, Schmuddel und Schimmel. Mehr schlecht als rechte Bewertungen auf den Buchungsplattformen grenzten die Auswahl weiter ein. In Bandarawela haben wir etwas gefunden. So dachten wir zumindest. 

2. 1. Die nächste schmuddelige Unterkunft

In der Wohnung angekommen wollten wir am liebsten wieder rückwärts herausfallen. Sie war dunkel, oll und voll schwarzem Schimmel. Siehe ein paar Bilder. Die Küche samt Utensilien war nicht ordentlich geputzt, der Herd komplett verschmutzt und mit Schimmel überwachsen. Darauf angesprochen sagte die Gastgeberin, sie hätte vergessen, den Herd zu putzen und hat es noch schnell gemacht. Doch was ist mit den anderen Mängeln? Also wie in Wohnung Nr. 1 wieder dasselbe Problem. Vor Ort kommen wieder nur nicht ernst gemeinte Entschuldigungen und Ausreden. Denn mal ehrlich: Würde man sich dieser Probleme wirklich bewusst sein und etwas besser machen wollen, wäre genug Gelegenheit gewesen. Leider kann man den meisten Gästebewertungen auf den Buchungsplattformen einfach nicht trauen. Glücklicherweise hatte die Gastgeberin direkt nebenan eine ganz neue Unterkunft, die noch ein bisschen eingerichtet werden musste und so zogen wir nach zwei Nächten dort ein. 

2. 2. Von Getuschel, social media against reality und persönlichem Erfahrungshorizont

Das Skurrile ist, dass einige Menschen da draußen tatsächlich der Meinung sind, wir wären selbst daran Schuld, in solchen Unterkünften zu landen und dass der Host doch gar nichts dafür kann. Also – wir werden aus vielen Menschen wirklich nicht schlau und denken, dass das von der Vorstellung herrührt, es würde sich für Menschen aus der westlichen Welt nicht gehören, Menschen oder Zustände in Entwicklungs- oder Drittweltländern zu kritisieren und auch mal in die Eigenverantwortung zu nehmen, da wir alle schuldig sind. Schuldig der Ausbeutung, des Mülls, dass es diesen Ländern schlecht geht, usw. Früher dachten wir auch so einseitig, radial und unwissend. Nach all unseren bisherigen Reisen kommen wir diesbezüglich zu einem anderen und differenzierteren Schluss. Vor allem in Sri Lanka wurde für uns sehr deutlich, dass die Menschen sich auf einem sehr niedrigen Energie- und Bewusstseinslevel und komplett in der Opferrolle befinden. Es gibt keinen Antrieb für innovatives Denken oder den Willen, voranzuschreiten und etwas für sich selbst zu verändern und zu verbessern. Als Antwort auf realitätsgetreue airbnb-Bewertungen wird gelogen, dass sich die Balken biegen und natürlich alle Schuld auf die Gäste geschoben, anstatt das als Anlass zur Verbesserung zu nehmen. 

Ja, die Situation ist durch die völlig korrupte Regierung komplex und schwierig, doch hier hilft die Einschätzung unseres Hosts Kanil, der der Meinung ist, dass die Regierung auch nur ein Spiegel des Zustands des Volkes ist. Warum sollte es in Sri Lanka anders sein, als in Deutschland? Wir fühlen uns auch nicht schuldig. Weder durch Zustände in der Gegenwart noch durch vermeintliche Erbsünden in der Vergangenheit. Dass die Westmächte ihren Wohlstand auf dem Rücken der restlichen Welt austragen bleibt dabei ungeleugnet, ist jedoch nur einer von vielen Faktoren in diesem komplexen Geflecht. 

Hinter vorgehaltener Hand wiederum erfahren wir dann, dass sehr viele reisende Menschen ebendieser Meinung sind, ebendiese Erfahrungen mit Unterkünften und Hosts machen und sich nur nicht trauen, diese auch öffentlich kund zu tun. Gerade auch diese, die ausgewandert sind und in Ländern wie bspw. Paraguay leben. Wir halten gar nichts davon, nur ein einseitiges – und vor allem immerzu positives – Bild unserer Erlebnisse zu zeigen und zu suggerieren, denn wem hilft das? Die Medien übernehmen die Rolle der eindimensionalen Berichterstatter bereits ganz prima. Wir sind selbst auf der Suche nach einem Ort, an dem wir leben können und möchten anderen helfen, Entscheidungen auf Basis eines möglichst breiten Informationsspektrums zu treffen. 

3. Ausflug nach Ella

So dachten wir, dass wir die zwei Wochen in Bandarawela für ein paar Ausflüge nutzen könnten, da die Gegend sehr schön ist. Doch das Arbeitspensum und die durch den ganzen anfänglichen Umzugsstress verlorene Zeit machten uns einen Strich durch die Rechnung. Wir haben es ein Mal nach Ella geschafft und einen zweiten Tag dort für einen Ausflug mit Kanil gestrichen. 

Das Örtchen Ella fanden wir von allem, was wir in Sri Lanka gesehen haben, noch am angenehmsten. Es ist natürlich total auf Tourismus ausgerichtet, doch nach sechs Wochen in absolut untouristischen Gegenden war das für uns ein regelrechter Segen. Wer hätte gedacht, dass man sich ab einem gewissen Punkt und Stresslevel freut, Menschen aus der westlichen Welt zu treffen. 

3. 1. Nine Arches Bridge

Natürlich wollten wir die berühmte Nine Arches Bridge besuchen, die wir schon auf so vielen Fotos auf Instagram gesehen hatten. Es gibt zwei Wege zur Brücke, von denen wir den schönen Naturpfad gewählt haben. Angekommen waren wir tatsächlich etwas ernüchtert, weil wir uns die Brücke aufgrund all der Photos und Videos sehr viel länger, größer und spektakulärer vorgestellt hatten. Sie ist eigentlich recht kurz und auch nicht so hoch, wie sie auf den Fotos wirkt. Kommt man nicht ganz früh am morgen, sind dort natürlich auch viele andere Touristen, einschließlich Verkaufsstände. Wir haben die tolle Aussicht in die wunderschöne Natur genossen und hatten Glück, dass sogar ein Zug vorbei kam. 

3. 2. Essen fassen in Ella

Du hast dort die Auswahl zwischen sehr vielen verschiedenen Restaurants. Wir haben uns für einheimische Küche entschieden, weil wir ein schönes Curry und nicht die Touri-Preise zahlen wollten. Ich wollte eigentlich unbedingt String Hopper und habe sie kein einziges Mal in Sri Lanka erwischt, da sie wenn, nur morgens und nur von wenigen Restaurants zubereitet werden. Natürlich kostete es auch dort mehr, als in untouristischen Gegenden, doch über etwa 900 Rupien für das Curry, das du auf den Bildern siehst, kann man nicht meckern. Das Restaurant heißt Raha.

3. 3. Little Adams Peak

Nach dem Essen haben wir uns zum Little Adam’s Peak aufgemacht. Der Weg liegt in derselben Richtung, wie zur Nine Arches Bridge, doch man muss ein ganzes Stück weiter laufen. Du kannst dir natürlich auch ein Tuk Tuk mieten, doch Laufen macht Spaß und ist gesund. Wir sind ein Stück mit einem Jungen gelaufen, der eine Kuh dabei hatte und sehr  gesprächig war. Er erzählte uns, dass diese Kuh seine beste Freundin ist und er sie jetzt vom Weiden nach Hause holt. Martin hat ein bisschen beim Treiben geholfen. 🙂

Auf dem Weg passierst du den Ravana Pool Club (nur von Srilankanern besucht) und eine dieser großen Schaukeln mit Aussicht auf das Tal. Der Aufstieg am Ende ist schon etwas steil und zieht sich ein Stück.

3. 4. Auf dem Gewitterberg

Während wir im Restaurant gegessen haben, hat es in Strömen geregnet. Auf dem Little Adam’s Peak war der Himmel noch immer zugezogen und an den gegenüberliegenden Bergen hat sich ein Gewitter entladen. Das war spektakulär und etwas beunruhigend zugleich. Leider sind all unsere GoPro-Akkus genau auf der Spitze alle geworden, so dass wir nur noch Handy-Aufnahmen machen konnten. Eine deutsche Reisende hat ein paar Bilder mit der Kamera von uns geschossen.

Wir haben uns lange auf dem Gewitterberg unterhalten, was sehr gut tat, da wir auch unsere Erfahrungen im Land abgleichen konnten. Gemeinsam sind wir abgestiegen, doch nach dem langen Plausch war es leider schon so spät am Nachmittag, dass sich eine weitere Sehenswürdigkeit nicht gelohnt hat. So haben wir noch einen Brownie mit Eis genossen und sind mit dem Bus zurück nach Bandarawela gefahren.

4. Waren die zwei Wochen nun Zeitverschwendung?

80% ja, 20% nein. Die beiden Ausflüge waren schön und die Gegend um Bandarawela ist, wie gesagt, auch schön. Ein paar Tage in Ella – wo wir die Natur noch schöner fanden, da man auch mittendrin war – reichen allerdings vollkommen aus. Das war uns ja leider aufgrund der Arbeitsplanung nicht möglich. Wir mussten ein Zeitfenster und eine entsprechend ausgestattete Unterkunft einplanen und dann sehen, wann wir was unternehmen können. Zu unserem großen Nachteil.

Unsere zweite geplante Tour nach Ella haben wir für einen Ausflug mit Kanil gestrichen und hatten leider keine weitere Gelegenheit, das Städtchen zu besuchen. Unseren Reisebericht zu diesem Ausflug ließt du im nächsten Artikel. 

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