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Paraguay – Mentalitäten und Befindlichkeiten

Kategorie:

Paraguay | Reisegeschichten

Privatgrundstück Paraguay

   15. Dezember 2021

Paraguayische Mentalität 

Also wir hatten ja jetzt nicht so engen Kontakt mit den Paraguayern, doch unsere Gastgeber in Piribebuy, die sehr eng mit dem städtischen Geschehen (auch politisch) verknüpft sind, haben uns ein paar hilfreiche Infos gegeben. Die Paraguayer sind freundlich ja, aber nur, solange es keine Konflikte gibt. Man kann einem Paraguayer nicht sagen, dass er etwas falsch oder ungenügend gemacht hat. Dann ist er zutiefst beleidigt und gekränkt und legt sofort seine Arbeit nieder. Viel Spaß dann dabei, jemand anderes zu finden, der die Arbeit zu Ende macht. Schuld sind generell die anderen oder etwas anderes. Beispiel unseres Gastgebers: Beim Gästhausbau war die erste Wand schief und er sagte, dass das so nicht geht, die Wand gerade sein soll und er das nicht bezahlt. Daraufhin haben die Arbeiter alle wütend die Arbeit niedergelegt. Er hatte aber wohl ganz guten Kontakt zum Chef und hat ihm das berichtet. Der hat seine Arbeiter zusammengefaltet und am nächsten Tag kamen sie ganz kleinlaut an, aber das Lot war Schuld an der schiefen Wand! Nicht sie. Wir können zu den genannten Punkten sagen, dass wir genau dieses Verhalten auch in anderen Ländern hier (Dominikanische Republik, Costa Rica, Kolumbien) erlebt haben. Das scheit in ganz Mittel- und Südamerika so zu sein. Und ja: Es ist nervig und anstrengend und auch das muss man nicht gut finden. Aber solange man sich hier aufhält bleibt einem nichts übrig, als sich zu arrangieren und möglichst zu versuchen, nicht zu tief in potenzielle Probleme einzusteigen. Auch redet der Paraguayer gern nur des Redens Willen. Bevor er keine Antwort hat, antwortet er lieber irgendetwas, denn wer wäre man denn, wenn man zeigen würde, dass man etwas nicht weiß? Also immer darauf gefasst sein, dass viele Informationen, die man bekommt, einfach nicht stimmen. Auch das haben wir nur allzu oft erlebt. Allerdings nicht nur bei den Paraguayern … viele Deutsche eignen sich diese Mentalität mit der Zeit wohl auch an. 

Deutsche in Paraguay

Was die Deutschen Auswanderer in Paraguay betrifft, fassen wir das mal so zusammen: Es ist ein Schmelztiegel aus Menschen, die aus den verschiedensten Gründen ihr Heimatland verlassen. Politische Flüchtlinge, Abenteuerlustige, aber auch solche, die vor dem Gesetz flüchten. Und es sind tatsächlich sehr, sehr viele Anhänger rechtsorientierter Parteien dabei. Allerdings braucht man hier nicht gleich diese eine Schublade aufmachen, denn wir haben uns ja mit den Leuten unterhalten und festgestellt, dass es da nicht nur schwarz-weiß gibt, sondern jede Menge Abstufungen dazwischen. Was die Ansichten angeht. Es sind auch nicht immer Rassisten oder Hardliner - es gibt, wie gesagt, eine Menge dazwischen. Das war ein wichtiges, wenn auch anstrengendes Learning für uns, denn unterm Strich ist unser Typ Mensch trotzdem ein ganz anderer und wir haben uns in der Energie all dieser Menschen überhaupt nicht wohl gefühlt. Es war zu viel, zu krass, zu anstrengend, zu anders als wir. Wir haben aber auch ganz nette Menschen in dem ganzen Prozess mit unserem Einwanderungshelfer und drumherum kennengelernt, mit denen wir auch jetzt noch den Kontakt pflegen. Der Altersdurchschnitt, auf den wir gestoßen sind, lag allerdings eher bei 50+. Wir sind wirklich gespannt, was ab jetzt für Menschen nach Paraguay kommen, denn es sind ja auch immer mehr junge digitale Nomaden und Staatenlose wie wir, die sich diese Option als Sicherheit für unsichere Zeiten erkaufen. 

Wir in Paraguay

Was das Land betrifft, haben wir gemischt Gefühle. Wir hatten mit allen Deutschen und deutschstämmigen, von denen wir in der Zeit geschäftlich abhängig waren, Ärger. Daraus resultierten jede Menge unnötiger Stress und Mehrarbeit für uns. Was auf Dauer total frustrierend war. Weil wir auch wegen unserer Einwanderungspapiere ständig nur Ausflüchte und Ungereimtheiten gehört haben, haben wir nochmal 300€ pro Person draufgelegt und den beschleunigten Prozess beantragt. Auch hier mussten wir fast jeden Tag Druck machen und hinterherlaufen. Weil wir nicht länger zögern konnten, hatten wir also in guter Hoffnung unsere Flüge nach Kolumbien gebucht und haben ungelogen am Abend vor dem Abflug um 18:30 Uhr endlich unsere Cedula und die permanente Aufenthaltsgenehmigung in den Händen gehalten. Wir haben uns sehr auf die Ausreise gefreut, weil Paraguay eben auch irgendwie langweilig ist. 

Es gibt sehr, sehr viele deutsche in Paraguay und natürlich reden sie auch untereinander nicht gut übereinander. Es ist ein Dorf und der Flurfunk scheint auch sehr gut zu funktionieren. Das ist so gar nichts für uns, aber wir haben derzeit auch keine Idee, wie man dieses Geflecht umgehen könnte, da auch Abhängigkeiten bestehen und einiges natürlich eingebunden im Netzwerk um vieles einfacher ist. Unsere Energie ist das aber einfach nicht. Hier, wo wir jetzt sind, im kolumbianischen Dschungel mit Hippies und energetisch passenden anderen Gästen, fühlen wir uns wohl. Wir sind hier übrigens gerade die einzigen Deutschen. 

Die Paraguayer selbst sind, wie gesagt ganz nette, herzliche Menschen! Wir können uns an keine schlechte Erfahrung erinnern. Trotzdem sie wenig haben, geben sie gern. Sie sind hilfsbereit, interessiert und mögen Deutsche. Das hat uns sehr gut gefallen. Wir würden sagen, dass im Land nicht so viel herrenloser Müll herumliegt, wie in anderen Ländern in Lateinamerika. Es ist eben alles ein bisschen „oller“ dort und auch hinterher. Aber bei weitem nicht so schlimm, wie man sich das vorstellt. Auf dem Land ist eben richtiges Landleben angesagt. Gemütlich, einfach, die Tiere laufen frei herum. Man hat nicht ständig den Drang, über die Schulter zu sehen, wir haben uns sicher gefühlt. In Ciudad del Este soll das anders sein, aber das ist auch eine Grenzstadt und dort waren wir nicht. Ansonsten gibt es in Paraguay ganz viel Land mit wenig dazwischen. Schön, sollte man meinen. Aber vieles ist eben landwirtschaftliches Gebiet und / oder nicht zu betreten. 

Auch nach unserem Aufenthalt dort ist für uns klar, dass eine Sicherheit, aber nicht die erste Wahl ist. An diesem Gefühl hat sich nichts geändert. Trotzdem hat das Land einen kleinen Teil unseres Herzens erobert. Vor allem wegen der freundlichen Menschen und dem Eindruck, dass man dort relativ unbehelligt und im Vergleich sicher leben kann.